20.03.2018

Neue Spitze in Göttingen

Biophysiker Ramin Golestanian wird Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.

Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) hat Ramin Golestanian als Direktor berufen. Der Physiker wechselte jetzt, im März 2018, von der Oxford University an das Göttinger Institut. Hier wird er sich mit seiner Abteilung „Physik lebender Materie“ einer Bandbreite von theoretischen Forschungs­feldern widmen, die die Dynamik von lebenden Systemen aus physikalischer Sicht und über mehrere Größen­ordnungen beschreiben. Mit seinen Forschungs­arbeiten versucht Golestanian, ein so gutes Verständnis der lebenden Materie zu erlangen, dass lebende Systeme aus einzelnen Molekülen nach­gebaut werden können. Mit seiner Ernennung zum Direktor hat das MPIDS drei Abteilungen.

Abb.: Ramin Golestanian (Bild: MPIDS)

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Ramin Golestanian einen engagierten und international führenden Wissenschaftler für unser Institut als Direktor gewinnen können. Dies stärkt nicht nur die Weltklasse bei der Forschung zur Dynamik und Selbst­organisation lebender Materie, sondern zeigt die hohe Anziehungs­kraft des Göttingen Campus“, freut sich der geschäfts­führende Direktor des MPIDS, Eberhard Bodenschatz.

Ramin Golestanian ist theoretischer Physiker. Mit seinem Team will Golestanian die komplexe Dynamik der lebenden Materie so gut verstehen, dass er sie von unten nach oben, also von Molekülen zu Systemen, aufbauen kann. Mit dieser Forschung konnten er und seine Gruppe bisher beispiels­weise einen Mechanismus aufdecken, durch die Zell­wucherungen und chemische Signal­übertragung sich zu einem homöo­statischen Gleich­gewicht im großen Maßstab entwickeln können. Dieses führt, wie in einem normalen Gewebe, zu einem stabilen, aber sich ständig erneuernden Zustand.

Es kann einen dynamischen Zustand durchlaufen, in dem die Gewebs­wucherung nicht durch chemische Signal­übertragung reguliert wird und wie es bei Krebs­metastasen der Fall ist, außer Kontrolle gerät. Ein weiteres Beispiel bildet die theoretische Untersuchung des Verhaltens von bakteriellen Bio­filmen über viele Längen­skalen hinweg: Wie werden molekulare Informationen mit dem Entscheidungs­prozess einzelner Bakterien oder mit den kollektiven Eigenschaften der dichten Aggregate, die sich auf Oberflächen ansiedeln, verknüpft? Diese grund­sätzlichen Fragen verbindet Direktor Golestanian mit einem breiten Spektrum theoretischer Techniken und bearbeitet diese in Zusammen­arbeit mit experimentellen Kollegen in Göttingen und an anderen Forschungs­standorten.

„Mit seiner dynamischen und hervorragenden Forschungsumgebung, dem unglaublich reichen wissenschaftlichen Erbe und der sofort einladenden Stadtkultur ist Göttingen für mich der schönste Ort, um meine wissenschaftlichen Forschungen fortzusetzen", sagt Ramin Golestanian.

Im letzten Jahr wurde Theo Geisel, Direktor und Leiter der auf dem Gebiet der theoretischen Grundlagen­forschung arbeitenden Abteilung „Nichtlineare Dynamik“ emeritiert. „Mit Professor Golestanian ist unser Institut wieder komplett und wir freuen uns auf weitere große Entdeckungen in der Forschung zur Dynamik und Selbstorganisation“, sagt Eberhard Bodenschatz begeistert.

Ramin Golestanian, geboren am 26. Februar 1971, erwarb seinen Bachelor­titel an der Scharif-Universität für Technologie in Teheran (Iran), und seinen Master- und Doktortitel am Institute for Advanced Studies in Basic Sciences (IASBS) in Zandschan (Iran). Seine Promotion erfolgte unter der Fern­betreuung von Mehran Kardar vom Massachusetts Institute of Technology (USA), gefolgt von einem post­doktoralen Forschungs-Fellowship am Kavli Institute for Theoretical Physics an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara (USA). Er hatte akademische Stellen am IASBS, der Universität von Sheffield und der Oxford University (UK) inne und ist seit 2007 ein Full Professor aufstieg. Sein breites Interesse gilt vielen Aspekten der statistischen Nichtgleich­gewichts­physik, weicher Materie und Biophysik.

Golestanian hat sich durch seine Beiträge zur Physik aktiver Materie insbesondere durch seine Rolle in der Entwicklung mikroskopischer Schwimmer und aktiver Kolloide ausgezeichnet. Er wurde zum Fellow der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft und des Institute of Physics gewählt und erhielt den Holweck-Preis der Société Française de Physique und des Institute of Physics, den EPJE Pierre-Gilles de Gennes Lecture Prize, das Martin Gutzwiller Fellowship des MPI-PKS, den Nakamura Lecturer Award der UCSB, und den 50th Anniversary Most Distinguished Alumni Award der Scharif-Universität für Technologie. Zurzeit ist Ramin Golestanian Vorsitzender der IUPAP C6 Kommission für Biologische Physik und Divisional Associate Editor (DAE) der Zeitschrift „Physical Review Letters“.

MPIDS / DE

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