„Wenn wir die größte Entfernung überwinden, die Menschen jemals von der Erde aus zurückgelegt haben, tun wir dies in Anerkennung der außergewöhnlichen Anstrengungen und Leistungen unserer Vorgänger in der bemannten Weltraumforschung. […] Vor allem aber nutzen wir diesen Moment, um diese und die nächste Generation aufzufordern, dafür zu sorgen, dass dieser Rekord nicht lange Bestand hat“, diese Worte des kanadischen Astronauten Jeremy Hansen markieren den Entfernungsrekord der Artemis-II-Mission: 406771 Kilometer von der Erde, grob zwei Monddurchmesser mehr als bei der Apollo-13-Mission, die wegen einer Explosion an Bord nicht auf dem Mond landen konnte. Damit ist die vierköpfige Besatzung von Artemis II nun weiter in den Weltraum vorgedrungen als jemals Menschen zuvor.
Die erste Mondmission mit Besatzung seit Apollo 17 begann mit einem Bilderbuchstart vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida am 1. April (Ortszeit) mit der 98 Meter hohen Trägerrakete SLS (Space Launch System). Das Abheben und der anschließende Weiterflug von Orion-Kapsel und dem Antriebs- und Servicemodul ESM verlief ohne Komplikationen. Kommandant Reid Wiseman führte eine Crew mit drei „Firsts“: Pilot Victor Glover ist dabei der erste „person of color“, Missionsspezialistin Christina Koch die erste Frau und Jeremy Hansen, für den es auch der erste Raumflug ist, der erste Kanadier in einer Mondumlaufbahn.




Während des Flugs testete die Artemis-II-Crew nicht nur die Orion-Kapsel und das in Bremen gebauten Europäische Servicemodul ESM, sondern absolvierte auch ein umfangreiches wissenschaftliches Programm.2) Dies betraf die Auswirkungen auf den menschlichen Körper bei der Weltraummission, die dabei helfen sollen, wirkungsvolle Maßnahmen zu entwickeln, um die Besatzung bei zukünftigen Missionen zur Mondoberfläche oder zum Mars bestmöglich zu schützen.
Beim dreistündigen Überflugs der erdabgewandten Seite des Mondes analysierte und fotografierte die Artemis-II-Crew geologische Merkmale der Mondoberfläche und übte dabei, Nuancen in Form, Beschaffenheit und Farbe zu beschreiben – also genau jene Informationen, die Aufschluss über die geologische Geschichte eines Gebiets geben. Diese Fähigkeiten werden für die Erforschung der Region am Südpol des Mondes im Rahmen künftiger Missionen von entscheidender Bedeutung sein.
Mit Tacheles gelangte ein von der DLR ausgewählter Kleinsatellitendemonstrator aus Deutschland auf eine Umlaufbahn um den Mond. Vier M-42 EXT (extended) Strahlungsdetektoren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben erneut die Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond gemessen – dieses Mal in einer noch besseren Auflösung als beim Artemis-I-Flug Ende 2022.
„Damit führen wir Experimente erfolgreich fort, die wir vor mehr als zwanzig Jahren auf der ISS begonnen haben“, sagt die DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla. „Wir freuen uns sehr, dass mit dem in Bremen gebauten ESM erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein nicht-US-amerikanisches System Astronautinnen und Astronauten Richtung Mond transportiert. Für die Orion-Kapsel hat außerdem die deutsche Industrie Sensoren zur Navigation im Weltraum bereitgestellt“, sagt Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.
Mit dem „Splash Down“ vor der südkalifornischen Pazifikküste endete der Flug planmäßig am vergangenen Freitag um kurz nach 17 Uhr Ortszeit nach einer Missionsdauer von knapp zehn Tagen. Sie gilt als Auftakt für weitere Missionen mit Crew zum Mond und möglicherweise auch einmal zum Mars. Mit Artemis III will die NASA Mitte 2027 eine oder beide kommerziellen Mondlandefähre von SpaceX bzw. Blue Origin in einer erdnahen Umlaufbahn testen. Die Landefähren sind derzeit allerdings noch in der Entwicklung. Nach deren Fertigstellung könnte mit Artemis IV die erste Mondlandung Anfang 2028 stattfinden. Ob bis dann der Weg frei ist für das Lunar Gateway oder eine ständige Station auf dem Mond, muss sich zeigen.
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