11.07.2023 • Energie

Wasserstoff lokal produzieren

Grüner Wasserstoff aus heimischer Produktion ist konkurrenzfähiger als erwartet.

Die Bundesregierung wird in den kommenden Tagen ihre über­arbeitete Nationale Wasserstoff­strategie vorstellen. „Es spricht vieles dafür, dass die Ampel­regierung dabei verstärkt auf grünen Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien setzen muss“, betont Christian Mildenberger, Geschäfts­führer des Landes­verbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), „denn heimischer grüner Wasserstoff ist wettbewerbs- und konkurrenz­fähiger als erwartet im Vergleich zu den Importen, die im Mittelpunkt der Beschaffungs­strategie der Bundes­regierung stehen.“

 

Abb.: Wasserstoff­kosten 2030 laut Meta­analyse, nach verschiedenen...
Abb.: Wasserstoff­kosten 2030 laut Meta­analyse, nach verschiedenen Herkunfts­regionen und Transport­mitteln (Bild: Wuppertal Inst.)

Mildenberger verweist auf eine neue Untersuchung, mit der der LEE NRW das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH beauftragt hat. Bereits im Spätherbst 2020 hatte der LEE NRW das Wuppertal Institut zusammen mit dem Beratungs­institut DIW Econ die „Vor- und Nachteile von Wasserstoff­importen im Vergleich zur heimischen Erzeugung“ untersuchen lassen. Das Update der Wasserstoff-Studie, das den Blick vor allem auf das Jahr 2030 und darüber hinaus richtet, bestätigt die Vorteile von grünem Wasserstoff aus heimischen erneuerbaren Energien, insbesondere wenn man die Bewertung aus einer ganzheitlichen Systemperspektive betrachtet.

„Die Stärkung einer heimischen, grünen Wasserstoffwirtschaft ist nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Wertschöpfung im eigenen Land sinnvoll. Mit dem Import von Wasserstoff sind nicht zwangsläufig Kostenvorteile verbunden“, sagt Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. Die neue Studie des Wuppertal Instituts zeigt zudem, dass blauer Wasserstoff auf Basis von Erdgas nicht die erhoffte Übergangslösung darstellt. Größere Mengen an blauem Wasserstoff werden aus heutiger Sicht nicht vor dem Jahr 2030 verfügbar sein, da die notwendigen Produktions­anlagen und Transport­leitungen noch gebaut werden müssen. Aus langfristiger Sicht besteht das Problem, dass eine vollständige CO2-Neutralität aufgrund der begrenzten Abscheiderate bei der Herstellung aus Erdgas nicht erreichbar ist.

Für eine stärkere nationale Erzeugung von grünem Wasserstoff als bisher geplant spricht laut der Untersuchung ein weiteres Argument: Die zu erwartenden Produktions­kosten für grünen Wasserstoff hierzulande sind laut den aktuellen Studien im Vergleich zur ersten Publikation weiter gesunken. Sie liegen meist unterhalb der Importkosten von Wasserstoff, der per Schiff zu uns kommt und sind in vielen Fällen auch konkurrenz­fähig zum Import von Wasserstoff per Pipeline.

Neben der Produktionsseite spielt für eine zukünftige Wasserstoff­wirtschaft aber vor allem auch die Anwendungs­seite eine große Rolle. „Um die bis 2030 mögliche Wasserstoff­produktion effizient zu nutzen, plädieren wir für eine Fokussierung des Wasserstoff­einsatzes auf zwingend nötige Anwendungen. Das hilft, die künftige Wasserstoff-Nachfrage zu begrenzen – und somit auch die erforderlichen Erzeugungs- und Importmengen. Beispiele sind die Stahl- oder Chemie-Industrie, die ohne grünen Wasserstoff nicht klimaneutral werden können. Ein umfangreicher Einsatz von Wasserstoff im Gebäude- und Verkehrs­sektor ist dagegen aus heutiger Perspektive nicht zu empfehlen“, betont Studienautor Frank Merten, Co-Leiter des Forschungs­bereichs Systeme und Infrastrukturen am Wuppertal Institut.

Für die anstehende Diskussion um die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung formuliert LEE NRW-Geschäfts­führer Mildenberger folgende Erwartungen: „Wir sehen uns durch die Ergebnisse der neuen Studie des Wuppertal Instituts bestärkt in unserer Einschätzung, dass eine ambitionierte Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland und Europa auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll, energietechnisch möglich und klima- sowie energie­wirtschaftlich geboten ist. Außerdem haben wir in Deutschland ausreichend Potenzial erneuerbarer Energien, um signifikante Teile des benötigten Wasserstoffs herzustellen. Die Bundes­regierung sollte deshalb von vornherein vermeiden, dass es beim Wasserstoff zu einer ähnlich hohen Importabhängigkeit kommt wie bei Erdöl und Erdgas.“

Wuppertal Inst. / DE

 

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