07.11.2019

Zukunft der europäischen Raumfahrt

ESA-Ministerratskonferenz entscheidet über Projekte der kommenden Jahre.

Am 27. und 28. November 2019 entscheiden im spanischen Sevilla die für Raumfahrt zuständigen Minister und die von den jeweiligen Regierungen entsandten Vertreter der ESA-Mitglied­staaten über die Zukunft der euro­päischen Raumfahrt in den nächsten drei bis fünf Jahren. Die deutsche Delegation wird bei der Ministerrats­konferenz, kurz „Space19+“, von Thomas Jarzombek, dem Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, geleitet. Im Raumfahrt­management des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR in Bonn laufen die Vorbereitungen für die Konferenz auf Hochtouren. Walther Pelzer, DLR-Vorstand für das Raumfahrt­management, und sein Team sind für die inhalt­liche Vorbereitung der deutschen Positionen und Abstimmung mit der Bundes­regierung und der ESA zuständig.

Abb.: Auf der ESA-Ministerrats­konferenz wird über die Zukunft der...
Abb.: Auf der ESA-Ministerrats­konferenz wird über die Zukunft der euro­päischen Raumfahrt in den nächsten drei bis fünf Jahren ent­schieden. (Bild: ESA)

„Bei der letzten Ministerrats­konferenz 2016 in Luzern hat Deutschland rund 1,9 Milliarden Euro für seine Beteiligung an den ESA-Programmen im Zeitraum 2017-2019 gezeichnet und war damit nach Frankreich der zweitstärkste Beitrags­zahler und Partner in der europäischen Raumfahrt“, erklärt Walther Pelzer, und ergänzt: „Für die Verhandlungen in Sevilla haben wir eine Kabinetts­vorlage erarbeitet, die eine deutliche Erhöhung vorsieht und über die die Bundes­regierung am 13. November 2019 entscheiden wird.“

Deutschland stärkt den Mittelstand im Raumfahrt­bereich durch einen starken Fokus auf die Anwendungs- und Technologie­programme. Die Ergebnisse von Sevilla sollen aus deutscher Sicht Raum schaffen für Innovationen, Agilität und NewSpace, das heißt konkrete Programme und strategische Linien auch für Start-Ups und KMU. Der Nutzen der Raumfahrt für den Menschen und die Gesellschaft und die Erschließung neuer Märkte müssen dabei entsprechend der Mittel und der Raumfahrt- sowie der High-Tech-Strategie des Bundes im Vordergrund stehen. „Wir stehen nach wie vor zu einem unab­hängigen euro­päischen Zugang zum All und auch zu unseren Verpflich­tungen beim Betrieb der ISS. Die globalen Entwick­lungen in der Raumfahrt hin zu deutlich mehr Wettbewerb und Kommerzia­lisierung machen es aber – mehr denn je – notwendig, die deutsche Raumfahrt­forschung und -industrie, besonders den Mittelstand und Start-ups, noch besser zu unterstützen und einzubinden“, sagt Pelzer.

So sollen im Business-Appli­cation-Programm (BASS) insbe­sondere marktfähige und kommerziell nachhaltige Dienst­leistungen und Anwendungen branchen­übergreifend gefördert und kommerzia­lisiert werden. Hinzu kommt die Vernetzung von Raumfahrt­unternehmen mit regional etablierten Industrie­unternehmen zur Generierung von so genannten Spill-over-Effekten. Auf der letzten Ministerrats­konferenz in Luzern hat sich Deutschland mit 479 Millionen Euro an den Anwendungs­programmen beteiligt und plant eine signifikante Steigerung. Deutschland weitet sein Engagement für den Klimaschutz aus, durch den Ausbau seiner führenden Rolle in der Erdbeobachtung – sowohl wissen­schaftlich, techno­logisch als auch in der Nutzung und Verarbeitung jeglicher Daten zur Analyse unseres Heimatplaneten. Zudem ist Deutschland der wichtigste Partner im Copernicus-Programm von Euro­päischer Union und ESA und wird sich maßgeblich an dessen Fortführung und Ausbau beteiligen. Auf der Agenda stehen ebenso Erdbeobachtungs­anwendungen für nachhaltige Entwicklung und eine stärkere globale Entwicklungs­zusammenarbeit.

Deutschland möchte zudem mit seinen Zeichnungen in Sevilla Inno­vationen voranbringen für die deutsche KMU-Landschaft und zur Kompetenz­förderung in Forschungs­einrichtungen und Universitäten. Damit sollen tech­nologische Entwicklungs­lücken im inter­nationalen Wettbewerb geschlossen werden. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung von Kern­technologien und Komponenten für künftige Missionen. Dazu gehören beispiels­weise die Digitalisierung von Produktions­zyklen und Technologien für eine nachhaltige Nutzung des Weltraums, sowie Industrie 4.0-kompatible Fertigungs­methoden wie additive Fertigungs­technologien, Robotik und moderne Sensorik. Wesent­liches Element ist auch die Laser­kommunikation als Expansionsmarkt der Zukunft. Erhalt und Ausbau der deutschen Spitzen­position auf diesem Gebiet sind ein zentrales Ziel der deutschen Raumfahrt­strategie. Deshalb hat Deutschland Interesse an dem optischen Kommunikations­netzwerk Hydron, das terres­trische und Satelliten­nutzer gleicher­maßen verbindet. Zudem sollen Schlüsselelemente für ein europäisches Quanten­kommunikations­netz entwickelt und demonstriert werden, das auf der Grundlage von Quantum Key Distri­bution (QKD) für eine bisher nicht erreichte Sicherheit in der Daten­übertragung sorgen soll.

Deutschland beteiligt sich am inter­nationalen Mond­programm. Durch die Entwicklung und den Bau des European Service Module (ESM) in Bremen ist Deutschland bereits mit auf dem Weg zum Mond. Zusammen mit der Orion-Kapsel der Nasa bildet das ESM das Transport­fahrzeug, das Astronauten in den Mondorbit fliegt und ist damit ein Schlüssel­element im Artemis-Programm, dem US-Mond­programm des kommenden Jahrzehnts. Komplementär dazu ist weiterhin das starke deutsche Engagement auf der Inter­nationalen Raumstation ISS. Dort werden die Grundlagen geschaffen, um auf dem Mondleben, arbeiten und forschen zu können.

DLR / JOL

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