18.05.2022

Zum Tod von Bernard Bigot

Der Generaldirektor der ITER Organization hat das Fusionsexperiment seit 2015 wieder auf den richtigen Weg geführt.

Bernard Bigot, Generaldirektor der ITER Organization, ist in den frühen Morgenstunden des 14. Mai verstorben. Trotz langer Krankheit hat er bis zuletzt seine Aufgaben bei ITER wahrgenommen und konnte noch miterleben, wie ein komplexer und heikler Schritt bei der Montage des Fusionsexperiments stattfand: das Anheben und Installieren des ersten Moduls des neunteiligen Vakuumbehälters mit einem Gewicht von fast 1400 Tonnen.

Seit März 2015 stand Bernard Bigot an der Spitze der ITER Organization und führte das Projekt, das durch Verzögerungen und Kostensteigerungen in der Diskussion stand, wieder auf den richtigen Weg zur Fertigstellung. Dazu implementierte er einen strikten Handlungsplan, entschlackte die Führungsstrukturen und stellte einen belastbaren Zeit- und Kostenplan auf. Bei all dem gelang es ihm, den Zusammenhalt der ITER-Mitglieder zu stärken und eine positive Sicht auf das Projekt herzustellen.

Der promovierte physikalische Chemiker hatte vor seiner Aufgabe bei ITER schon zahlreiche höhere Positionen im Wissenschafts- und Forschungsmanagement inne, beispielsweise als Hochkommissar für Atomenergie und als Geschäftsführer der französischen Atomenergiebehörde CEA. Diese Tätigkeiten machten ihn bereits eng mit ITER vertraut – eine gute Vorbereitung, um das langfristige Projekt zu leiten, an dem sich 35 Nationen beteiligen und das nicht nur einzigartige Ziele, sondern auch eine einmalige Struktur besitzt.

Laut Sibylle Günter, der wissenschaftlichen Direktorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP), war die Zusammenarbeit mit Bernard Bigot eine große Freude: „Für Probleme hatte er immer ein offenes Ohr.“ Als seinen größten Verdienst sieht sie es an, dass er Verzögerungen mit aller Kraft und erfolgreich bekämpft habe. Darum hofft sie, dass sich ein neuer Generaldirektor findet, der ITER in ähnlicher Weise zum Erfolg führt.

Der Tod von Bernard Bigot mit gerade einmal 72 Jahren hat die ITER-Community genauso erschüttert wie die Wissenschaftsgemeinde weltweit. Dies belegen auch zahlreiche Einträge auf der Gedenk-Website, welche die ITER Organization eingerichtet hat. Er hat sich persönlich eingebracht und trotz seiner Krankheit daran weitergearbeitet, dem Traum von der Wasserstofffusion als sauberer Energiequelle näher zu kommen. Hinter dem manchmal spröden Auftreten steckte ein einfühlsamer Mensch. Für seinen Stellvertreter Eisuke Tada, der das Amt des Generaldirektors auf Wunsch des ITER Council einstweilig ausübt, besteht die größte Ehrerbietung darin, „den Aufbau von ITER mit dem gleichen Engagement und der standhaften Hingabe fortzusetzen, die Bernard Bigot vorgelebt hat.“

Kerstin Sonnabend / ITER

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