16.01.2008

Zweites Boomjahr in Folge

Die deutsche Wirtschaft hat 2007 das zweite Boomjahr in Folge erzielt und wird ihren Aufschwung in diesem Jahr mit etwas weniger Tempo fortsetzen.

Frankfurt/Wiesbaden (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat 2007 das zweite Boomjahr in Folge erzielt und wird ihren Aufschwung in diesem Jahr mit etwas weniger Tempo fortsetzen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte im abgelaufenen Jahr um 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Das ist deutlich mehr als im langjährigen Verlauf und liegt nur wenig unter den 2,9 Prozent aus dem starken Vorjahr. Die Aussichten für 2008 sind aber nicht ganz so rosig: Die Finanzmarktkrise, die schwächere Weltwirtschaft und eine drohende Rezession in den USA könnten das Wachstum dämpfen. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im Januar auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren.

Für das laufende Jahr rechnet das Statistische Bundesamt mit «einer Eins vor dem Komma». Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet ebenso wie die meisten Volkswirte nur noch bis zu zwei Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies auf gestiegene Energiepreise, die Probleme der Banken in Folge der US- Immobilienkrise und die hohen Lebensmittelpreise. «All das führt zu gedämpften Wachstumserwartungen», sagte die Kanzlerin. Als Risiken gelten auch die hohen Ölpreise und der starke Euro.

Dank florierender Exporte und anziehender Investitionen fiel das Wachstum 2007 erneut kräftig aus. Das Statistische Bundesamt sprach von «guten Nachrichten» und einer «robusten» Wirtschaft. Der Aufschwung brachte so viele Menschen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr in Lohn und Brot. Dank sprudelnder Steuereinnahmen erzielte das wiedervereinigte Deutschland erstmals seit 1989 wieder einen ausgeglichenen Haushalt. Das deutsche Staatsdefizit schrumpfte auf 0,0 Prozent des BIP nach 1,6 Prozent im Vorjahr. Deutschland erfüllte damit wie auch im Vorjahr das Maastricht-Kriterium, das ein Defizit von drei Prozent des BIP erlaubt. Bund, Länder und Kommunen nahmen im vergangenen Jahr 70 Millionen Euro mehr ein als sie ausgaben. Sorgenkind bleibt aber der private Konsum, der sich nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer negativ entwickelte.

Die größte europäische Volkswirtschaft profitierte 2007 von Impulsen aus dem In- und Ausland. Wichtigster Motor waren die Exporte, die um 8,3 Prozent zulegten und mehr als die Hälfte des BIP- Wachstums lieferten. Deutschland verteidigte den Titel des Exportweltmeisters. Tragende Kraft waren die Firmen, die dank vieler Aufträge und guter Gewinne wieder deutlich mehr in Maschinen und Anlagen investierten (plus 8,4 Prozent). Der lange schwächelnde Bau erholte sich weiter, die Bauinvestitionen legten um 2,0 Prozent zu. Der Aufschwung sorgte mit 39,7 Millionen Menschen für die höchste Erwerbstätigenzahl seit der Wiedervereinigung.

Der private Konsum ging 2007 hingegen um 0,3 Prozent zurück und bremste das Wachstum. «Die Mehrwertsteuererhöhung und die schwache Einkommensentwicklung haben die wesentliche Rolle für die Kaufzurückhaltung der Verbraucher gespielt», sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Radermacher. Ein Grund dafür sei die seit Jahren anhaltende schwache Entwicklung der Nettolöhne und der verfügbaren Einkommen der Haushalte gewesen. «Bei den privaten Haushalten ist weniger angekommen als das Gesamtwachstum der Wirtschaft ausgemacht hat», sagte Radermacher. Die gestiegene Inflation, die mit 2,2 Prozent erstmals seit 1994 wieder die Marke von zwei Prozent überschritt, habe die Kauflaune zusätzlich gebremst.

Die Rezessionsgefahr in den USA und die Euro-Stärke drücken die Konjunkturerwartungen für Deutschland weiter nach unten. Das Stimmungsbarometer des ZEW sackte im Januar gegenüber dem Vormonat um 4,4 Punkte ab und liegt nun bei minus 41,6 Punkten. ZEW-Präsident Wolfgang Franz warnte vor der Einführung von Mindestlöhnen und vor überzogenen Lohnforderungen, die Arbeitsplatzverluste mit sich brächten und den Konsum schwächen würden.

Die Industrie forderte die Bundesregierung zum Sparen auf. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) dürfe nicht erst 2011, sondern müsse schon 2009 oder spätestens 2010 einen Haushalt ohne neue Schulden erreichen, sagte der neue BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Gefährlich wäre auch ein Stopp oder eine Kehrtwende in der Reformpolitik.

Die deutsche Wirtschaft hat laut Statistik zum Jahresende 2007 deutlich an Fahrt verloren und im vierten Quartal nur noch um real 0,25 Prozent zugelegt - im Herbst lag der Zuwachs noch bei 0,7 Prozent. Im internationalen Vergleich belegte Deutschland 2007 einen Platz im guten Mittelfeld. Das Bruttoinlandsprodukt summierte sich auf 2,4 Billionen Euro.

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