
Spin-Off für Quantencomputer
Tiroler Unternehmen will Standards für die Quantenoptimierung setzen.

Tiroler Unternehmen will Standards für die Quantenoptimierung setzen.

Neue Roadmap setzt auf schnelles Wachstum von Quantencomputern.
• 2/2020 • Seite 20Das Munich Center for Quantum Science and Technology möchte die Quantenwissenschaften in ihrer gesamten Breite erforschen und anwenden.
Längst haben Quantentechnologien unseren Alltag erobert: Computer, Smartphones, der Laser oder Methoden der medizinischen Diagnostik beruhen auf Erkenntnissen der Quantenmechanik. Auch die Informationswissenschaft hat unsere moderne Welt revolutioniert, indem sie die Basis für die Informationsverarbeitung und die Kommunikation im digitalen Zeitalter geliefert hat. Die nächste Revolution besteht darin, beide Gebiete zu vereinigen. Die Quanteninformationstheorie ist in der Lage, unsere physikalische Welt zu beschreiben. Mit Fragen der Quantenwissenschaften in all ihrer Breite beschäftigt sich der Exzellenzcluster „Munich Center for Quantum Science and Technology“ (MCQST), der im Zuge der Exzellenzstrategie seit Anfang 2019 gefördert wird.
Der Cluster gliedert sich in sieben Forschungsbereiche: Quanteninformationstheorie, -simulation, -computing, -kommunikation, Quantenmetrologie und -sensorik, Quantenmaterie sowie explorative Themen. „Kein Standort deckt diese ganze Bandbreite in höchster Expertise so ab wie München“, ist Immanuel Bloch, Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und einer der drei Sprecher des Clusters, überzeugt. Eines der Hauptziele des Clusters ist es, München noch sichtbarer zu machen und mit dem MCQST ein weltweit führendes Zentrum der Quantentechnologien aufzubauen, das wichtige wissenschaftliche wie auch technologische Fragen behandelt. (...)
• 11/2023 • Seite 38Photonen sind eine vielversprechende Möglichkeit, um Qubits zu realisieren.
Photonen besitzen herausragende Kohärenzeigenschaften und breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Damit eignen sie sich prinzipiell gut zur Realisierung eines Quantencomputers. Doch die geringe gegenseitige Wechselwirkung schränkt die Berechnungsmöglichkeiten ein. Inzwischen gibt es aber erste vielversprechende photonische Quantenprozessoren.
Die Idee des Quantencomputings geht auf Richard Feynman zurück, der im Mai 1981 einen Computer ganz anderer Art vorschlug. Sein Argument war einfach: Es ist schwierig, Vielkörper-Quantenprobleme mit klassischen Rechenverfahren zu lösen, weil die Rechenzeit exponentiell mit der Systemgröße steigt. Stattdessen hielt er die Entwicklung eines Quantencomputers für die natürliche Wahl, nicht ohne bei vielen Kollegen, die mit dem Konzept von Dekohärenz und der Empfindlichkeit von Quantenzuständen vertraut waren, Skepsis hervorzurufen. Die Idee gewann erst an Popularität, als der britische Physiker David Deutsch erkannte, dass Quantencomputer auch klassische Probleme potenziell viel schneller lösen könnten als herkömmliche Rechner.
Parallele Entwicklungen zu Frequenzstandards und Spektroskopie führten zu technologischem Fortschritt bei Ionenfallen [1]. Diese lieferten den Startschuss für die experimentelle Realisierung von Quantencomputern. Seit Ende des 20. Jahrhunderts gibt es viele unterschiedliche Ansätze, um einen vollwertigen Quantencomputer zu realisieren. Neben Ionenfallen sind insbesondere supraleitende elektrische Schaltkreise vielversprechend. (...)
Durch Laser-Anregung von Übergängen zwischen Atom- und Molekülzuständen lässt sich aus einem atomaren Bose-Einstein-Kondensat ein molekulares erzeugen. (vgl. S. 33)
Zellen, wie hier rote und weiße Blutzellen, besitzen erstaunliche mechanische und elastische Eigenschaften. (vgl. S. 35, Foto: Dennis Kunkel Microscopy, Inc.)
• 4/2023 • Seite 34Interview mit Michael Förtsch, dem Gründer und Geschäftsführer von Q.ANT
Im Jahr 2018 gründete der Physiker Michael Förtsch aus der Trumpf Unternehmensgruppe das Hightech-Startup Q.ANT, das neuartige Sensoren und photonische Computerchips entwickelt. Das Unternehmen nutzt Licht als Ressource für neue Quantentechnologien. Inzwischen beschäftigt Q.ANT an seinem Standort in Stuttgart fast 80 Mitarbeitende.
Wofür steht der Name Q.ANT?
Das ist ein Akronym und steht für „We are revolutionizing the Quality how Machines Analyse the environment, how people Notice information, and the way human Think.“
Sie wollen das Denken verändern?
Um die Vorteile eines Quantencomputers in Gänze auszunutzen, müssen wir Quantentechnologien möglichst gewinnbringend einsetzen. Würden wir heute etwas auf einem normalen Computer berechnen und morgen auf einem Quantencomputer, würden wir viel Potenzial verschenken.
Was machen Sie anders als andere Firmen?
Zusammen mit unseren Partnern und Kunden wollen wir das Verständnis erweitern, was die Quantentechnologien können und wie wir sie für Produkte gewinnbringend einsetzen. Das ist unsere Grundphilosophie.
An welchen Produkten arbeiten Sie?
Wir verfolgen vier Produktlinien. In der Partikelmetrologie geht es darum, Partikel zu detektieren, die 500 Nanometer bis einige hundert Mikrometer klein sind. Unsere Quantensensorik liefert deren Größe, Ausbreitungsrichtung, Geschwindigkeit und Form in nur einer Messung.
Gibt es dafür eine konkrete Anwendung?
Zusammen mit der Firma Festo entwickeln wir einen Sensor, um Formfaktoren von Algen in Echtzeit zu messen. Als erster Partikelsensor weltweit gibt er direkte Rückmeldung über die Vitalität der Algen in einem Bioreaktor. (...)
• 11/2023 • Seite 54 • DPG-MitgliederEuropas erster kommerzieller Quantencomputer steht auf dem Gelände von IBM in Ehningen nahe bei Stuttgart.
Nur wenige Leuchten tauchen den Raum in schummriges Licht und geben den Blick durch die große Glasscheibe frei in den Nebenraum. Auch der ist fast komplett dunkel und leer bis auf einen drei Meter hohen Glaskasten. Darin hängt – angeleuchtet! – ein schwarz-glänzender Zylinder. Fast sieht es aus, als würde dort ein kleines Ufo landen. Doch weit gefehlt: Es handelt sich um das erste IBM Quantum System One in Europa. Betreten darf man den Raum mit dem Quantencomputer nicht – der Zugang ist streng gesichert. Denn die Technologie in dem schwarzen Kasten ist geistiges Eigentum der Firma IBM, die das System auf ihrem Gelände in Ehningen aufgestellt hat; die Fraunhofer-Gesellschaft nutzt das System exklusiv.
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass der Quantencomputer nun auf deutschem Boden steht: Im Januar 2019 traf sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die damalige IBM-Chefin Virginia Rometty und befragte sie zum Stand des Quantencomputings und seinen Einsatzmöglichkeiten. Mit der Fraunhofer-Gesellschaft fand sich noch im gleichen Jahr ein Partner, der Forschungseinrichtungen und Unternehmen den Zugang zum Quantencomputer zur Verfügung stellt. Beim nächsten Treffen zwischen Merkel und Rometty im Berliner Kanzleramt im September des gleichen Jahres war schon alles unter Dach und Fach: Kurz zuvor hatten IBM und die Fraunhofer-Gesellschaft ihre Zusammenarbeit beim Quantencomputing verkündet.
Doch bis zur offiziellen Einweihung war es noch ein holpriger Weg. Als die IBM-Mitarbeitenden vom Standort Ehningen im März 2020 in die USA fliegen wollten, um sich das dortige System anzuschauen und von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort mehr über den Aufbau und Betrieb eines solchen Systems zu lernen, kam ihnen die Corona-Pandemie in die Quere: „Unsere Flüge waren schon gebucht, aber dann wurden sämtliche Reisen gestrichen“, erinnert sich Sven Peyer, der als Manager für die Quantum-Hardware-Entwicklung bei IBM in Böblingen tätig ist und mit seinem Team am Aufbau des Systems in Ehningen beteiligt war. Stattdessen haben die Teams in Deutschland sich alles remote zeigen lassen müssen. (...)
• 12/2017 • Seite 33Der Chemie-Nobelpreis würdigt Entwicklungen der Kryo-Elektronenmikroskopiefür die Proteinstrukturanalyse.
Der Nobelpreis für Chemie geht zu gleichen Teilen an Joachim Frank, Jacques Dubochet und Richard Henderson für ihre Arbeiten zur Kryo-Elektronenmikroskopie an Biomolekülen in Lösung. Diese Methode erlaubt es, mit Transmissions-Elektronen-Mikroskopen (TEM) makromolekulare Komplexe und Proteine in wässriger Umgebung mit atomarer Auflösung abzubilden.
Die Chemie-Nobelpreisträger sind von Haus aus Physiker, die sich durch ihre Arbeit für ein biophysikalisches Verfahren verdient gemacht haben: Richard Henderson bewies, dass Hochauflösung an Biomolekülen möglich ist. Jacques Dubochet entwickelte eine Kryo-Präparationsmethode, mit der sich Biomoleküle tiefgefroren in wässriger Umgebung im Elektronenmikroskop untersuchen lassen. Joachim Frank leistete wichtige methodische Beiträge in der elektronenmikroskopischen Bildverarbeitung für die Einzelpartikelanalyse. Diese Pionierarbeiten liegen über 30 Jahre zurück. Seitdem hat sich die Strukturforschung mit dem Elektronenmikroskop weiterentwickelt. Der Durchbruch gelang vor etwa vier Jahren. Hier möchte ich die Hintergründe und Vorgeschichte dieser Erfolge auch aus persönlicher Perspektive beleuchten.
Die Strukturaufklärung von Biomolekülen ist eine klassische Domäne der über hundert Jahre alten Röntgen-Kristallographie. In den 1950er-Jahren war ihre Geburtsstunde mit der Aufklärung der Struktur der DNA sowie der von Haemoglobin und Myoglobin, die 1962 zu zwei Nobelpreisen führte. Weitere Nobelpreise mit Bezug zu den diesjährigen Preisträgern folgten, etwa 1988 für die Erforschung des Reaktionszentrums der Photosynthese oder 2009 für die Aufklärung der Ribosom-Struktur...
Highlights aus dem Programm des Arbeitskreises Festkörperphysik
• 7/2019 • Seite 43Halbleiter-Photovervielfacher sind auf dem Vormarsch zu neuen Anwendungen.
Die Messung einzelner Photonen mit einer Zeitauflösung von einer Nanosekunde und genauer findet zahlreiche Anwendungen in Forschung, Medizin und Wirtschaft. Beispiele sind Kalorimeter in Hochenergiephysik-Experimenten, Kameras für Cherenkov-Teleskope zur Untersuchung kosmischer Röntgenquellen, die Positronen-Emissions-Tomographie, LIDAR für Umweltanalysen oder die Quantenkommunikation. Bisher wurden hierfür meist klassische Vakuum-Photovervielfacher eingesetzt. Seit etwa zehn Jahren werden sie immer mehr durch Photovervielfacher auf Halbleiterbasis, insbesondere Silizium, ersetzt. Solche Photovervielfacher mit integrierter CMOS-Elektronik eröffnen gänzlich neue Anwendungsmöglichkeiten.
Das menschliche Auge, einschließlich der Informationsverarbeitung im Gehirn, ist ein nahezu perfekter Photodetektor, der in mehrfacher Hinsicht nahe an den physikalisch möglichen Grenzen arbeitet. Eine große Herausforderung ist es, Photodetektoren zu entwickeln, die auch nur annähernd die Eigenschaften des Auges erreichen und Photonen ähnlich sensitiv registrieren können. Die in diesem Artikel beschriebenen Detektoren stellen einen großen Fortschritt auf diesem Forschungsgebiet dar.
Bis vor etwa 20 Jahren kamen für die Messung einzelner Photonen fast ausschließlich klassische Vakuum-Photovervielfacher (PMT) zum Einsatz. Diese bestehen aus einem evakuierten Glaskolben, in dem Metall-Dynoden eingebaut sind, die mit einem photoempfindlichen Material mit geringer Austrittsarbeit für Elektronen bedampft sind. Photonen treffen durch das Eintrittsfenster auf die Photokathode. In dieser lichtempfindlichen Schicht lösen sie Elektronen aus, die in einem hohen elektrischen Feld beschleunigt und auf die erste Dynode geschossen werden. Dort löst jedes Elektron weitere Elektronen aus, die anschließend in weiteren Dynoden vervielfacht werden. Dies ermöglicht Verstärkungsfaktoren von 106 und mehr bei einer Nachweiswahrscheinlichkeit für Photonen von bis zu etwa 30 Prozent und einer Zeitauflösung von etwa einer Nanosekunde...
Der Reduktionismus der Elementarteilchenphysik scheint für das reale Experiment auf dem Niveau der Quarks offenbar am Ende angelangt, denn Quarks lassen sich nicht als Einzelobjekte isolieren und im Labor manipulieren. Sie kommen vielmehr - in Folge der Struktur des Vakuums - nur als eingeschlossene Bestandteile von Hadronen vor. Nur durch Experimente im ¿Computerlabor¿, d. h. durch Simulationen auf Höchstleistungsrechnern, gelingt es, die Eigenschaften von Hadronen im Rahmen der Quantenchromodynamik als der fundamentalen Theorie der starken Wechselwirkung zu berechnen. Der Vergleich mit gemessenen Hadronendaten erlaubt es dann, die Massen und andere Parameter der Quarks zu extrahieren.