03.12.2007

Astrium und OHB Technology wollen Galileo-Satelliten bauen

Nach der Einigung auf die Vergaberegeln für das Satelliten-Navigationssystem Galileo hoffen deutsche Raumfahrtunternehmen auf die Führung beim Bau der Satelliten.

Astrium und OHB Technology wollen Galileo-Satelliten bauen

München/Bremen (dpa) - Nach der Einigung auf die Vergaberegeln für das Satelliten-Navigationssystem Galileo hoffen deutsche Raumfahrtunternehmen auf die Führung beim Bau der Satelliten. Die deutsche EADS-Raumfahrtsparte Astrium in München und Bremen sowie das mittelständische Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology konkurrieren um den lukrativen Auftrag mit einem Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro.

«Astrium hat die Fähigkeit und den Willen, die Satelliten für Galileo zu bauen - wir sind bereit», sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Astrium GmbH, Evert Dudok. Ähnlich äußerte sich auch OHB. «Der Wettbewerb wird unsere Stärken zeigen», sagte ein Sprecher. OHB strebt gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Surrey Satellite Technology Limited (SSTL) die Federführung für den Satellitenbau an. OHB mit 1200 Beschäftigten hat Erfahrungen bei der Entwicklung, dem Bau und dem Betrieb von Kleinsatelliten für wissenschaftliche und industrielle Zwecke gesammelt und ist Hauptauftragnehmer für das deutsche Radar-Aufklärungssystem SAR-Lupe.

Den EU-Verkehrsministern war es am Freitag gelungen, auch Spanien ins Boot zu holen und damit gemeinsame Regeln zur Auftragsvergabe im Wert von mindestens 3,4 Milliarden Euro festzuzurren. Am Donnerstag hatten die Minister die gemeinsamen Regeln zunächst gegen den Widerstand Spaniens beschlossen. Die Spanier erklärten den Beschluss anschließend für ungültig. Nach weiteren Verhandlungen bekommt Spanien wie gefordert eines der nunmehr drei Galileo-Kontrollzentren, wird dafür aber eine Bodenstation, die ein Satellitensignal für Rettungsdienste steuern wird, auf eigene Kosten bis 2013 aufrüsten.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, Deutschland habe sich für den europäischen Gedanken bei Galileo eingesetzt und zugleich «knallharte Industriepolitik» betrieben. Er zeigte sich überzeugt, dass ein sehr großer Anteil der Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Euro «direkt und indirekt» nach Deutschland zurückfließen werde.

Der Einigung von Brüssel zufolge sollen unter anderem die Aufträge zum Aufbau der Infrastruktur in sechs Paketen vergeben und Subunternehmer an jedem Paket mit mindestens 40 Prozent des Auftragswerts beteiligt werden. Zudem soll der Bau der 26 Satelliten in drei Phasen ausgeschrieben werden. Nach Industrieangaben dürfte der Satelliten-Bau rund 1,2 Milliarden Euro ausmachen.

Im Gespräch ist dem Vernehmen nach, dass Astrium die Führung beim Bau der Satelliten bekommen könnte und die französische Thales Alenia die Führung der Segmente Systemplanung und Ausbau der Bodeneinrichtungen. Beide Unternehmen könnten dann wiederum wechselseitig an den jeweils anderen Segmenten beteiligt werden. Der Astrium-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. «Die EU hat die beteiligten Industrieunternehmen aufgefordert, Vorschläge für eine intelligente Arbeitsteilung zu machen», erklärte er lediglich.

Astrium als Raumfahrtsparte des europäischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzerns EADS hat europaweit rund 11.000 Mitarbeiter, rund 3600 davon sind an den deutschen Standorten beschäftigt. Die Galileo- Aktivitäten sind in Ottobrunn bei München gebündelt. Im vergangenen Jahr kam die Sparte in Europa auf einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro.

Mit Galileo will Europa eine effiziente Konkurrenz zum amerikanischen GPS-Navigationssystem aufbauen.

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