06.12.2022

Bauarbeiten für die SKAO-Teleskope beginnen

Wichtiger Meilenstein für das multinationale „Square Kilometre Array Obser­vatory“.

Bereits Ende der 1980er Jahre haben Astronomen und Astronominnen aus mehreren Ländern den Anstoß gegeben, ein Teleskop mit einer Sammelfläche von annähernd einem Quadrat­kilometer zu bauen. Rund drei Jahrzehnte später, nach Jahren der technischen Planung und der internationalen Wissenschafts­diplomatie, erreicht das Projekt in diesem Jahr einen weiteren wichtigen Meilenstein. Gestern, am 5. Dezember, haben die Bauarbeiten für die Teleskope des „Square Kilometre Array Obser­vatory“ (SKAO) mit feierlichen Zeremonien in Südafrika und Australien begonnen.

Abb.: Das SKA-Max-Planck-Demonstrations­teleskop am südafri­kanischen...
Abb.: Das SKA-Max-Planck-Demonstrations­teleskop am südafri­kanischen SKA-Standort in der Karoo-Halbwüste. (Bild: G. Wieching, MPIfR)

Schon bis November 2012, dem Zeitpunkt der Gründung der SKA-Organisation, die für die Koordinierung der inter­nationalen technischen Planung verantwortlich ist, war es ein weiter Weg. In den Jahren zuvor wurde viel Politikarbeit geleistet, Arbeits­gruppen und Ausschüsse wurden etabliert sowie Vereinbarungen zur internationalen Zusammenarbeit unterzeichnet. Über Einrichtungen wie das vom Max-Planck-Institut für Radio­astronomie (MPIfR) in Bonn geleitete europäische RadioNet3-Konsortium erfolgte bereits seit den 2000er Jahren der Anschub von neuen Aktivitäten in Forschung und Entwicklung der bestehenden radio­astronomischen Einrichtungen und Radio­teleskopen der Zukunft wie dem „Square Kilometre Array“.

Eine große Rolle spielte dabei die Auswahl zweier Standorte für ein Niederfrequenz-Teleskop in Australien und ein Mittelfrequenz-Teleskop in Südafrika, die im Jahr 2012 festgelegt wurden. Weitere wichtige Meilen­steine waren schließlich die Unterzeichnung der inter­nationalen Konvention zur Gründung des SKA-Observatoriums im März 2019 sowie das Einsetzen des SKAO-Rates Anfang 2021. Dieser hat im Juni desselben Jahres den Beginn der Bauarbeiten förmlich genehmigt und damit eine umfassende Phase der Auftrags­vergabe eingeleitet, in der mehr als fünfzig Verträge unterzeichnet und 150 Millionen Euro eingebunden wurden. Gemeinsam mit seinen Kollegen und Kolleginnen aus den beteiligten Ländern blickte Michael Kramer, Direktor am MPIfR, dem offiziellen Beginn der Bauarbeiten mit Begeis­terung entgegen: „Ich bin seit über zwanzig Jahren in das SKA involviert und in dieser Zeit ist viel passiert. Mit der Aufnahme der Arbeiten auf den Baustellen werden unsere Visionen jetzt tatsächlich zur Realität und das bedeutet, dass sich all unsere Anstrengungen gelohnt haben. Das ist ein sehr wichtiger und freudiger Augenblick.“  

Das MPIfR und die Max-Planck-Gesellschaft waren maßgeblich an der Entwicklung und am Bau der SKA-Prototypantenne für das Mittel­frequenz-Teleskop beteiligt, die im Herbst 2019 in Südafrika ihren Betrieb aufnahm. „Die notwendigen Spezifikationen für das Teleskop und die Anforderung, einen Prototyp zu konstruieren, der sowohl für die Massenfertigung geeignet als auch kosten­effizient ist, waren technisch gesehen bisher die größten Heraus­forderungen“ erklärt Gundolf Wieching, Abteilungs­leiter „Elektronik“ im MPIfR. Wissenschaftler wie Isabella Rammala am MPIfR werden diese neue Generation an Teleskopen nutzen, um Antworten auf fundamentale astro­nomische Fragen zu erhalten – etwa wie sich das Universum weiterentwickelt oder wo Magnetfelder ihren Ursprung haben. Isabella Rammala freut sich insbesondere auf detail­reiche Bilder des galaktischen Zentrums, die das SKA Observatorium der Wissenschafts-Community liefern wird.

Um den Beginn der Bauarbeiten auf den beiden SKA-Baustellen zu feiern, finden am 5. und 6. Dezember in einer Reihe am SKA beteiligten Länder Veranstaltungen statt. Zu den Zeremonien an den SKA-Standorten in der Karoo-Halbwüste (Südafrika) und in der Murchison-Region (Australien) wurden heute nur Mitglieder der örtlichen Gemeinschaft eingeladen. Die Wissenschafts­minister der beiden Länder gaben die Vergabe wichtiger Infrastruktur­aufträge im Wert von über 200 Millionen Euro bekannt, wobei ein erheblicher Teil der Mittel für die örtlichen Gemeinden vorgesehen ist. Darüber hinaus gab das SKAO die Vergabe von Aufträgen für den Bau der Antennen für beide Teleskope im Wert von 100 Millionen Euro bekannt, womit sich die auf den Veran­staltungen angekündigte Gesamtsumme auf 300 Millionen Euro und die bisher vom SKAO zugesagte Gesamtsumme auf 450 Millionen Euro erhöht. 

MPIA / JOL

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