Carl-Zeiss-Humboldt-Preise für Teilchenphysik- und KI-Experten
Thomas Becher und Gustau Camps-Valls erhalten den mit je 100 000 Euro dotierten Forschungspreis.
Der Carl-Zeiss-Humboldt-Forschungspreis richtet sich an Forschende der Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT), die eine Kooperation mit Fachleuten in den Förderländern der Carl-Zeiss-Stiftung anstreben – Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Thüringen. Verliehen wird der Forschungspreis an Personen, die mit ihrer Forschung ihr Fachgebiet auch über das engere Arbeitsgebiet hinaus nachhaltig geprägt haben.

Thomas Becher, der an der Universität Bern forscht, ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler im Bereich der theoretischen Elementarteilchenphysik. Seine bahnbrechenden Beiträge in verschiedenen Forschungsfeldern der modernen Teilchenphysik haben durch ihre Originalität die Entwicklung des Fachgebiets nachhaltig geprägt. Er erforscht die fundamentalen Wechselwirkungen der Materie, indem er die experimentellen Untersuchungen am Teilchenbeschleuniger LHC des Europäischen Kernforschungszentrums CERN mit theoretischen Arbeiten begleitet.
Becher wurde von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) nominiert. Während seiner geplanten Gastaufenthalte bei Matthias Neubert in Mainz sowie bei Martin Beneke an der TU München möchte er sich vertieft dem Problem der Faktorisierung widmen. Ziel ist es zu zeigen, dass man die komplizierten Vorgänge in Protonenkollisionen sauber in zwei Teile aufspalten kann: einen Teil, der charakterisiert, wie die elementaren Bausteine im Proton verteilt sind, und einen Teil, der beschreibt, was beim Zusammenstoß dieser Bausteine passiert. Becher möchte beweisen, dass diese Faktorisierung auch für komplexere Messgrößen gilt, die die detaillierte Struktur der Kollision auflösen. Diese Forschung liefert die Grundlagen für die Vorhersagen von Prozessen am LHC und spielt damit eine wichtige Rolle in der Suche nach „neuer Physik“ jenseits des Standardmodells der Elementarteilchenphysik.
Gustau Camps-Valls, Professor für Elektrotechnik an der Universitat de València, ist Pionier der Anwendung von künstlicher Intelligenz in der Erdbeobachtung. Der Physiker hat die Entwicklung fachbezogener KI maßgeblich vorangetrieben, indem er maschinelles Lernen mit physikalischen Gesetzen kombiniert hat, um die Vorhersagemodellierung komplexer Systeme zu verbessern. Organisationen und Klimaforschende weltweit haben seine Methoden übernommen. Seine Algorithmen für maschinelles Lernen werden beispielsweise von der Europäischen Weltraumorganisation ESA und von Wetterzentren zur Verarbeitung von Satellitendaten und zur Datenfusion genutzt.
Nominiert wurde er vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Während seiner Forschungsaufenthalte in Deutschland möchte er mit seinem Gastgeber Markus Reichstein aktuelle Forschungsfragen an der Schnittstelle von KI und Klima angehen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Anwendung von Methoden des maschinellen Lernens zur Untersuchung von Extremereignissen, insbesondere im humanitären Kontext. Dabei soll das Fachwissen von Camps-Valls genutzt werden, um Klimaextreme wie Dürren und Hitzewellen sowie deren Auswirkungen auf Ökosysteme und Gemeinschaften mithilfe von Beobachtungsdaten und Modellausgaben umfassend zu analysieren. [AvH S / dre]















