26.07.2022

Elektronik mit mehr Recycling-Plastik

EU-Projekt soll zu deutlich höheren Recyclingraten führen.

Als Teil des EU-Aktionsplans zur Kreislauf­wirtschaft wurde im Jahr 2018 die Strategie für Kunststoffe verabschiedet: Ihr Ziel ist es, den Anteil recycelter Kunststoffe in neuen Produkten zu erhöhen. Als zentrales Element soll sicher­gestellt werden, dass bis 2025 zehn Millionen Tonnen recycelter Kunststoffe in neuen Produkten in den euro­päischen Markt einfließen, während es 2016 noch weniger als vier Millionen Tonnen waren. Mit dem INCREACE-Projekt soll der Einsatz recycelter Kunststoffe in verschiedenen Produkten mittels innovativer und interdisziplinärer Lösungen entlang der Recycling-Wertschöpfungs­kette gesteigert werden.

Abb.: Im EU-Projekt werden neue daten­basierte Sortier­systeme entwickelt,...
Abb.: Im EU-Projekt werden neue daten­basierte Sortier­systeme entwickelt, die verhindern, dass potenziell gefährliche Stoffe in den Kreislauf des Kunststoff-Recyclings gelangen. (Bild: Fh.-IZM)

2016 sind lediglich 5,3 Millionen Tonnen Kunststoff-Material in die EU-Recyclinganlagen eingegangen. Nach dem Recycling­prozess verringert sich die Ausbeute an Recyclingkunststoffen üblicherweise nochmals um die Hälfte. Es gilt also, die Sammelquote sowie Ausbeute deutlich zu steigern und mehr gesammeltes Material in die Anlagen einzuspeisen, so dass es nicht verbrannt, deponiert oder exportiert wird. Darüber hinaus ist es wichtig, die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff, besonders bei höher­wertigen Anwendungen wie Elektro- und Elektronik­geräten (EEE), anzukurbeln. Derzeit werden recycelte Kunststoffe vorwiegend im Baugewerbe (46 Prozent), der Verpackungsindustrie (24 Prozent) und in der Landwirtschaft (13 Prozent) eingesetzt – nur zwei Prozent der Rezyklate landen aktuell in den EEE. Dies entspricht etwa 80.000 Tonnen recycelter Kunststoffe in neuen elektrischen und elek­tronischen Geräten, das theoretische Markt­potenzial in der EU beträgt dabei jährlich rund zwei Millionen Tonnen.

Mit dem Einsatz der Kunststoffe aus EE-Altgeräten (WEEE) werden im INCREACE-Projekt Bereiche adressiert, in denen der Gebrauch recycelter Kunststoff-Materialien heute noch marginal ist: Im Mittelpunkt des Projekts stehen fünf Anwendungs­fälle, die mitunter komplexe Aspekte im EEE-Bereich wie Lebensmittel­kontakt, Medizin­anwendungen, Elektro­statische Entladung (ESD) und UL94-Entflammbarkeitsnormen und Hightech-Kunststoffkomponenten in Elektro- und Elektronik­geräten abdecken. Um die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen zu meistern, bringt INCREACE Schlüssel­akteure verschiedener Sektoren wie Forschende, Recycler, Produkt­designern, Komponenten- und EEE-Hersteller, Software­entwickler, ein Extended Producer Responsibility-System sowie Berater zusammen. Technologien und Methoden aus den unter­schiedlichen Diszi­plinen werden kombiniert, um zu demonstrieren, dass gezielte Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungs­kette eine effektive Lösung sind, um mehr Post-Consumer-Kunststoffe in EEE einzusetzen. 

Die Projektpartner entwickeln neue datenbasierte Sortiersysteme, die verhindern, dass potenziell gefährliche Stoffe in den Kreislauf des Kunststoff-Recyclings gelangen. Zudem kombinieren sie komplementäre Recycling­technologien – mechanisch, chemisch und lösungsmittel­basiert –, um die Gesamtausbeute bei der Verwertung zu erhöhen. Die Rückverfolgbarkeit der Materialien spielt dabei eine entscheidende Rolle. Daher stützt sich das Projekt auf einen innovativen Blockchain-Ansatz. Das gesamte Konzept wird auf konkrete Fall­beispiele angewandt und danach validiert. Ebenfalls werden die Auswirkungen systematischer Transformationen in der Kunststoff­industrie aus wirtschaft­lichem, regulatorischem, technologischem und materiellem Blickwinkel analysiert. Darüber hinaus soll das Projekt Menschen und Gemeinden dazu anregen, die eigene Rolle bei der Umstellung auf Kreislauf­wirtschaft und zirkuläre Kunststoffe zu stärken: Beispielsweise durch eine optimierte Sammlung von Kunststoff­abfällen und eine Steigerung der Nachfrage nach Produkten mit Kunststoff­rezyklateinsatz. 

Im weiteren Verlauf kann die Wirksamkeit der erworbenen Kenntnisse durch gezielte Anregungen zur Standardi­sierung, im Rahmen politischer Entscheidungs­findung ebenso wie für die aktive und umfassende Einbindung aller relevanten Interessen­gruppen als Akteure im Transformations­prozess hin zum Kunststoff­kreislauf gesteigert werden. Auf dieser Grundlage leistet das Projekt Beiträge zur EU-Kunststoff­strategie, zum ersten und zweiten Aktionsplan für die Kreislauf­wirtschaft sowie zum Green Deal, der im Besonderen Maßnahmen für ressourcen­intensive Branchen wie die Elektronik und den Kunststoff­sektor vorsieht. In den nächsten Monaten werden die Projektpartner technische Anforderungen sowie für die Produktion von Recyclingprodukten notwendige Mengen von Kunststoffabfall definieren, Stakeholder und Wertschöpfungs­ketten für die einzelnen Fallbeispiele erfassen, um dann geeignete Recycling­technologien für jede Produkt­linie zu identi­fizieren. Der inter­disziplinäre und datenbasierte Ansatz verspricht, aktuelle Heraus­forderungen zu meistern und eröffnet die Perspektive, Rezyklate zum neuen Rohstoff der Zukunft werden zu lassen. 

Fh.-IZM / JOL

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