10.05.2021

Forschung an schwereloser Dynamik ausgezeichnet

Kirsten Harth erhält den Karin-Witte-Frauenförderpreis für exzellente Forschungsleistungen.

Die Physikerin Kirsten Harth von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist mit dem Karin-Witte-Frauen­förderpreis ausgezeichnet worden. Den mit 5000 Euro dotierten und nach dem Willen der Stifterin, Karin Witte, an besonders begabte Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich der Natur­wissenschaften vergebenen Preis erhielt die Wissenschaftlerin für ihre exzellenten Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Physik.

 

Abb.: Kirsten Harth (Bild: J. Dünnhaupt, U. Magdeburg)
Abb.: Kirsten Harth (Bild: J. Dünnhaupt, U. Magdeburg)

„Die Auszeichnung bedeutet für mich eine große Wertschätzung meiner wissenschaftlichen Arbeit“, so Kirsten Harth. „Darüber hinaus hoffe ich aber auch, dass diese sichtbare Anerkennung die eine oder den anderen inspiriert, ein natur­wissenschaftliches oder technisches Studium zu beginnen“, so Harth. Die Physik sei unglaublich vielseitig und eine erfolgreiche physikalische Forschung nicht nur mit Geduld, fundiertem Wissen und manchmal etwas Glück, sondern auch mit Kreativität, Neugier und der Arbeit in einem kollegialen internationalen Netzwerk verbunden.

Seit 2009 erforscht Kirsten Harth am Institut für Physik der Universität Magdeburg unter anderem die Dynamik von Tropfen oder Blasen, komplexe Flüssigkeiten und Systeme aus granularen Materialien. Granulate bestehen aus einer Vielzahl einzelner Körner, wie Sand, Reis oder Geröll. Im Universum finde man darüber hinaus granulare Gase, feste Körper, die nur selten miteinander kollidieren, so die Forscherin. Beispiele dafür seien die Saturnringe oder kosmische Nebel. „Solche Systeme haben oft die Tendenz, mit der Zeit Klumpen zu bilden, die die Basis für die Entstehung größerer Himmelskörper, letztlich auch von Planeten darstellen“, erklärt Harth. Um die Eigenschaften dieser granularen Gase zu untersuchen, hat sie bereits Experimente in Schwerelosigkeit am Fallturm Bremen, auf Parabelflügen und auf Forschungs­raketen konzipiert und durchgeführt. Diese Experimente haben eine große Aufmerksamkeit erregt, so der Dekan der Fakultät für Naturwissenschaften, Oliver Speck. „Frau Harth ist für mich nicht zuletzt darum eine Botschafterin für die Universität, für erfolgreiche naturwissenschaftliche Forschung und für erfolgreiche Frauen in den MINT-Fächern.“

Kirsten Harth studierte und promovierte an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, beides als eine der besten des jeweiligen Jahrgangs. Seit der Gründung der Magdeburger Arbeits­gemeinschaft zur Forschung unter Raumfahrt- und Schwerelosigkeits­bedingungen (MARS) arbeitete sie dort mit, unter anderem an einem Projekt, bei dem Experimente auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt wurden. „Ich erinnere mich an viele beeindruckende Erlebnisse in dieser Zeit: Der erste Parabelflug, das erste Mal in Schwerelosigkeit zu experimentieren, Polarlicht­beobachtung und der Raketenstart auf der Startbasis Esrange in Schweden“, blickt sie zurück. „Ein wirklich einmaliges Erlebnis 2018 war es, beim Start einer Rakete des US-amerikanischen Raumfahrt­unternehmens Blue Origin mit unserem Experiment an Bord in der texanischen Wüste dabei zu sein. Beeindruckend war vor allem, die wieder­verwendbare Rakete nach dem Experiment unversehrt landen zu sehen“, erinnert sich Harth.

Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt am Max Planck Center for Complex Fluid Dynamics Twente in den Niederlanden ist Kirsten Harth seit 2019 wieder am Institut für Physik der Uni Magdeburg und leitet als Nachwuchs­wissenschaftlerin ein eigenes Forschungsprojekt. 2019 beendete sie erfolgreich ihr Zweitstudium der Mathematik. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist sie auch künstlerisch aktiv, unter anderem als Leadsängerin und Akkordeonistin der Magdeburger Band „Celtic Chaos“. Für die Zukunft hofft sie, ihre beiden Leidenschaften weiter miteinander verbinden zu können: „Ich möchte die spannenden Experimente in der Schwerelosigkeit fortsetzen und hoffe, dass ich meine wissenschaftliche Arbeit auch weiterhin mit meinem Hobby, der Musik, vereinbaren kann.“

U. Magdeburg / DE

 

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