03.03.2021

Geprüfte Materialien und Technologien seit 1871

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) feiert ihr 150-jähriges Jubiläum unter anderem mit einem Online-Symposium am 4. März.

Am 4. März 2021 feiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ihr 150-jähriges Jubiläum mit einem digitalen Symposium zum Thema „Vertrauen in Zukunftstechnologien“. Über das ganze Jahr sind zahlreiche weitere Veranstaltungen und Vorträge zum Thema „Wissenschaft mit Wirkung“ geplant.

Der Ursprung der BAM liegt in der Preußischen Königlichen Mechanisch-Technischen Versuchsanstalt (MTV) der Königlich Technischen Hochschule zu Berlin. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden Gusseisen und Stahl ihren Weg in Maschinen oder neuartige Konstruktionen, wie die 1868 gebauten Eisenbahn-Viadukte in Berlin. Um etwa dem Einsturz von Brückenkonstruktionen oder dem Bruch von Radachsen vorzubeugen, ordnete das preußische Ministerium für Gewerbe und Handel „Festigkeitsversuche“ für Eisen und Stahl an. 1871 begannen die Untersuchungen erst im Keller und fanden dann in einem Schuppen der Berliner Gewerbeakademie eine Fortsetzung.

Ein Pionier der Materialprüfung war der Werkstoffkundler Adolf Martens (1850 – 1914), der seit 1884 Leiter der „Mechanisch-Technischen Versuchsanstalt“ war. Er konstruierte neue Prüfmaschinen, vereinheitlichte Verfahren und vernetzte das Amt international.

Als 1894 auf dem Tempelhofer Feld 70 mit Wasserstoff gefüllte Gasflaschen der preußischen Luftschiffer-Kompagnie explodieren, untersucht Martens im Auftrag der Regierung akribisch die geborstenen Behälter. Zusammen mit den Firmen Franz Schmidt & Haensch, Berlin und Carl Zeiss, Jena entwickelt Martens ein metallografisches Auflichtmikroskop, das es ihm ermöglicht, die Mikrostruktur von grauem Gusseisen und Stahl genau zu studieren.

1904 wird die „Versuchsanstalt“ zum königlichen „Materialprüfungsamt“ (MPA) erweitert und erhält ein modernes Gebäude in Berlin-Dahlem – wo sich noch heute der Hauptsitz der BAM befindet.

Ab den 1930er-Jahren kommen für die Durchleuchtung von Schweißnähten bei S-Bahn- und Autobahnbrücken Röntgenstrahlen zum Einsatz. Das MPA übernimmt in der Zeit von 1933 bis 1945 zahlreiche Aufträge für Heer, Marine und Luftwaffe, unterstützt die Aufrüstung und Kriegsführung des Regimes. Daher untersucht seit 2020 ein Geschichtsprojekt unter Leitung des Wissenschaftshistorikers Helmut Maier von der Ruhr-Universität Bochum die Verstrickung des Amtes in die Diktatur.

Das MPA, im August 1945 mit der ehemaligen Chemisch-Technischen Reichsanstalt vereinigt, wird 1954 zur Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) und ist seitdem eine Ressortforschungseinrichtung des Wirtschaftsministeriums. Die BAM prüft für deutsche Unternehmen, berät Bundesministerien und wirkt in nationalen und internationalen Organisationen bei Normen und Sicherheitsstandards mit. Sie ist zudem auf Industriemessen vertreten.

Seit 1969 ist die BAM für die Zulassung explosionsgefährlicher Stoffe und Sprengzubehör im gesamten Bundesgebiet zuständig. Ab den 1970er-Jahren ist sie auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit tätig, prüft und begutachtet später Transport- und Lagerbehälter für radioaktive Stoffe. Seit dieser Zeit werden an der BAM auch Untersuchungen zum Umweltschutz immer wichtiger.

Ab den 1990er-Jahren verfügt die BAM über ein großes Test- und Versuchsgelände in Brandenburg. Dort gibt es Prüfstände unter anderem für Gase, Pyrotechnik, Sprengstoffe und explosionsfähige Stoffe, eine Fallversuchsanlage sowie ein Drohnentestgelände. Und auch im Bereich Neue Energien ist das BAM aktiv: Forschungen zu den Gründungspfählen, Tragstrukturen und Rotorblättern von Offshore-Windkraftanlagen sollen für eine sichere Nutzung erneuerbarer Energie sorgen.

2015 erhält die BAM im Osten Berlins einen Neubau und bündelt dort vor allem ihre Forschungen im Bereich Chemie und Referenzmaterialien. In einem metallfreien Reinraum, bei seiner Einweihung der größte seiner Art in Europa, können Wissenschaftler*innen billionstel Gramm einer Substanz aufspüren und analysieren.

Das BAM forscht auch bei Schwerelosigkeit und testet 3D-Druck während Parabelflügen – künftige Weltraummissionen sollen sich so Werkzeuge und Ersatzteile selbst ausdrucken können. Das 2018 gestartete Programm BAMStartup Slingshot unterstützt aktiv Firmen-Ausgründungen, etwa zum Druck von 3D-Keramiken, zur Bauwerksüberwachung mit Sensorik oder zur Reinigung von Peptiden in der Pharmabranche.

„Zukunftstechnologien und Innovationen sind wichtige Treiber für die Entwicklung der Gesellschaft und für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen unerlässlich“, betont Ulrich Panne, Präsident der BAM. Das Symposium „Vertrauen in Zukunftstechnologien“ zielt daher darauf ab, einen Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anzustoßen. Die Auftaktveranstaltung des Jubiläumsjahres findet am Donnerstag, den 4. März, von 15:30 bis 17:30 Uhr statt und kann im Livestream verfolgt werden.

BAM / Alexander Pawlak

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