13.06.2019

Gleiten durch die Mesosphäre

Jenaer Studenten navigieren Gleitflieger in achtzig Kilometern Höhe.

GAME – Glider for Atmospheric Measure­ments & Experiments: So hieß das Experiment von 15 Studierenden der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, das in diesem Frühjahr auf der Raketenbasis in Lappland an den Start gebracht wurde. Eineinhalb Jahre hatten die Vorbe­reitungen gedauert, als es am 10. März soweit war. Im Rahmen des inter­disziplinären Experiments flog eine mit einem Spezial-Gleitflieger bestückte Rakete 82,5 Kilometer hoch. Dreißig Kilometer östlich von Kiruna in Lappland, Nordschweden, befindet sich eine zivil genutzte Raketen­basis, auf der unter anderem Satelliten­daten übertragen werden. 

Abb.: Der Gleitflieger der Jenaer Studenten auf seinem Flug am 10. März 2019....
Abb.: Der Gleitflieger der Jenaer Studenten auf seinem Flug am 10. März 2019. (Bild: K. Sawatzki)

Ziel der Studierenden war es, einen mit der Rakete trans­portierten Gleiter, bestückt mit Sensoren, beim Wiedereintritt zu einem stabilen Flug zu bringen. In über achtzig Kilometern Höhe löste sich der kleine Gleiter von der Rakete ab und begann seine Reise zurück Richtung Erde. Wo im freien Fall früher nur etwa zehn Minuten Verweil­dauer in großer Höhe erreicht wurde, war der kleine Gleitflieger nun dreißig Minuten unterwegs bis zur Landung. Er wurde von Johannes Gründig, Studiengang Feinwerktechnik, aus speziellem Verbundmaterial für das Experiment entwickelt: Aus den extrem leichten, doch in Kombination sehr strapazier­fähigen Stoffen Depron, Aramid und Glasfasern. Zusätzlich wurden Sensoren auf den Gleiter aufgebracht, um Messungen vornehmen zu können.

Leider wurde der Gleiter nach der Landung nicht wiedergefunden, da es angefangen hatte, zu schneien. Im Gespräch sagte der beteiligte Student Franz Lübke: „Das ist nicht weiter tragisch und tut dem Erfolg des Experiments keinen Abbruch. Damit haben wir gerechnet. Aber wir haben vor, im Sommer noch einmal nach Nord­schweden zu einer Wanderung aufzubrechen und den Flieger zu suchen.“  

Mit dem erfreu­­lichen Ergebnis des Experiments ergeben sich in der Zukunft Chancen auf weitergehende Forschung. Neben sich anschließenden möglichen Master­arbeiten der beteiligten Studierenden haben auch schon andere wissenschaftliche Einrichtungen Interesse bekundet. Welche Auswirkungen auf verschiedenartige Stoffe hat die extreme Höhe? Derzeit liegt schon eine Anfrage aus der Schweiz vor, wo ein Raumfahrt­mediziner den Einfluss von Höhen­strahlung auf DNA untersuchen möchte.

Das Experiment ist Teil der REXUS/BEXUS-Programmes, das im Rahmen einer bilateralen Vereinbarung zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und der Schwedischen Nationalen Raumfahrt­behörde SNB durchgeführt wird. Der schwedische Anteil der Nutzlast wird Studenten aus anderen euro­päischen Ländern in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraum­organisation Esa zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Experten unterstützen die Studenten­teams während des gesamten Projekts in technischer Hinsicht. EuroLaunch, die Kooperation zwischen dem Esrange Space Center von SSC und der Mobile Rocket Base (MORABA) des DLR, ist für das Kampagnen­management und den Betrieb der Träger­raketen verantwortlich.

EAH Jena / JOL

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