06.04.2022

Große Ehre für eine Pionierin

Eva Grebel, Professorin an der Universität Heidelberg, erhält die erstmals vergebene Caroline-Herschel-Medaille.

Als die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer letzten Jahres Großbritannien besuchte, führte die britische Regierung die Caroline-Herschel-Medaille offiziell ein. Finanziert vom Department of Business, Energy and Industrial Strategy, unterstützt von der britischen Botschaft in Deutschland und gemeinsam verwaltet von der Royal Astronomical Society und der Astronomischen Gesellschaft ehrt die Medaille herausragende deutsche und britische Astronominnen. Erste Preisträgerin ist die Heidelberger Professorin für Astrophysik Eva Grebel. Sie erhält die mit £ 10.000 dotierte Auszeichnung im Rahmen der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft im September in Bremen.

Eva Grebel studierte Physik und Astronomie in Bonn. Stationen bei der Europäischen Südsternwarte, in den USA und der Schweiz führten sie 2007 als Professorin an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo sie als Direktorin das Astronomische Rechen-Institut leitet. Ihr Spezialgebiet ist die Galaxienentwicklung, die sie mithilfe der „Nahfeld-Kosmologie“ erforscht. Hier hat sie Pionierarbeit geleistet und unter anderem eine neue Klasse von Galaxien entdeckt, die Rolle der Dunklen Materie bei der Galaxienbildung belegt und pulsierende veränderliche Sterne genutzt, um die dreidimensionale Struktur der Milchstraße zu verstehen.

Studierende und Mitarbeitende schätzen sie als Vorbild und Mentorin, Kolleginnen und Kollegen loben ihre Führungspersönlichkeit. Zusammen mit ihrer wissenschaftlichen Exzellenz mache sie das zu einer würdigen Preisträgerin der ersten Caroline-Herschel-Medaille, so die hochkarätig besetzte Jury in ihrer Begründung. Eva Grebel ist unter anderem auch Sprecherin des DFG-Sonderforschungsbereichs 881 „Das Milchstraßensystem“ an der Universität Heidelberg, Präsidentin der Kommission H1 „The Local Universe“ der Internationalen Astronomischen Union und derzeit Mitglied im Kuratorium des Physik Journals.

Das Ölgemälde von Melchior Gommar Tieleman zeigt Caroline Herschel 1829 im...
Das Ölgemälde von Melchior Gommar Tieleman zeigt Caroline Herschel 1829 im Alter von 79 Jahren.

Die namensgebende Caroline Herschel (1750 bis 1848) war selbst eine bedeutende Astronomin des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Als Assistentin ihres Bruders Wilhelm Herschel wirkte sie an der Entdeckung des Planeten Uranus mit. Im Laufe ihres langen Lebens entdeckte sie acht Kometen und katalogisierte Sterne, Sternhaufen und Nebel. Neben ihrem Werk würdigt die Caroline-Herschel-Medaille auch die intensive und langjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland. Darüber hinaus sollen die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen insbesondere Frauen zu einer Karriere in den MINT-Fächern motivieren. Im kommenden Jahr wird der Preis an eine herausragende Astronomin aus Großbritannien vergeben.

Kerstin Sonnabend

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