Oberpfaffenhofen übernimmt Kontrolle von ATHENE-1
Raumfahrtkontrollzentrum GSOC des DLR steuert die 15 Experimente des gestern gestarteten Satelliten.
Der Technologiedemonstrator ATHENE-1 startete am 1. Oktober, um 20:32 Uhr deutscher Zeit vom US-amerikanischen Weltraumbahnhof Vandenberg Space Force Base in Kalifornien. Der von der OHB-Tochter LuxSpace gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München entwickelte und gebaute 300-Kilogramm-Kleinsatellit hob im Rahmen der Transporter-18-Mission an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ab und wurde planmäßig in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. Gesteuert wird der Satellit vom Nationalen Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im bayerischen Oberpfaffenhofen. In Forschungsarbeiten des GSOC sollen unter anderem neue Betriebskonzepte zur weitergehenden Automatisierung erprobt werden. Zudem stellt das DLR zwei Instrumente an Bord des Satelliten bereit.




ATHENE-1 ist das zentrale Element des Forschungsprojekts SeRANIS (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space), das von der Universität der Bundeswehr München geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr (dtec.bw) gefördert wird. Ziel des Projekts ist es, innovative Technologien schneller von der Forschung in die praktische Anwendung zu überführen und deren Nutzen für zukünftige Weltraumfähigkeiten zu demonstrieren.
Mit dem erfolgreichen Start beginnt die operative Phase der Mission. Das GSOC stellt die erforderliche Bodeninfrastruktur für die Übertragung von Telemetriedaten, die Übermittlung von Befehlen sowie die Überwachung und Steuerung des Satelliten bereit.
Der knapp 300 Kilogramm schwere Satellit ATHENE-1 wird als Technologie- und Erprobungsplattform für insgesamt 15 wissenschaftliche Experimente dienen. Das DLR beteiligt sich mit dem Laserkommunikations-Terminal Cube1G sowie dem Instrument LITE (Laser Interferometer for Thermal Expansion measurements) für die Messung thermisch induzierter Verformungen neuer Materialien.
Im Fokus der Mission stehen neue Technologien für satellitengestützte Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie KI-gestützte Datenverarbeitung direkt im Orbit. Zu diesen Technologien zählen unter anderem Mobilfunksysteme der sechsten Generation (6G), Laserkommunikation und das Internet der Dinge (IoT). Zudem werden Verfahren zur Erkennung, Lokalisierung und Abwehr von Störungen erprobt, die zur Erhöhung der Resilienz satellitengestützter Navigations- und Kommunikationssysteme beitragen sollen. Darüber hinaus ermöglicht die Mission die Erprobung neuer Ansätze der intelligenten Signal- und Datenverarbeitung sowie zukünftiger Anwendungen im Sicherheitsbereich.
„Als wir SeRANIS vor sechs Jahren ins Leben gerufen haben, war unser Ziel, neue Schlüsseltechnologien möglichst früh unter realen Bedingungen im Weltraum zu erproben. Mit dem erfolgreichen Start von ATHENE-1 wird diese Vision Realität. Die sicherheitspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre konnten wir nicht vorhersehen – aber das flexible Missionsdesign hat es uns ermöglicht, auch neue Fragestellungen aufzunehmen“, sagt Prof. Andreas Knopp, Initiator und Programmleiter von SeRANIS an der Universität der Bundeswehr München.
Technologisch steht ATHENE-1 zudem für den Wandel hin zu Software-definierten und rekonfigurierbaren Satellitensystemen. Die in der Mission erprobten Technologien sollen es ermöglichen, Funktionen und Anwendungen auch nach dem Start an neue Anforderungen anzupassen. Dadurch können Satelliten flexibler auf neue Standards, Einsatzszenarien oder Störungen reagieren. [DLR / dre]
Anbieter
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR)Linder Höhe
51147 Köln
Deutschland
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