12.01.2026 • Photonik

Schneller und energieeffizienter mit Licht

Neues Projekt „PicPhotMat“ für die Ent­wick­lung kom­pak­ter op­ti­scher Com­pu­ter star­tet an der Uni­ver­si­tät Jena.

Forschende der Friedrich-Schiller-Univer­sität Jena wollen in einer neuen Nachwuchs­gruppe optische Computer entwickeln, die nicht mit Elektri­zität, sondern mit Licht arbeiten, und dafür Rechen­einheiten nutzen, die so klein sind wie die atomaren Bau­steine eines Kristalls. Dieses Konzept könnte die KI-Rechen­leistung deutlich erhöhen und eine extrem energie­effiziente, kompakte und nachhaltige Alter­native zu heutigen Super­computern eröffnen. Das Bundes­minis­terium für Forschung, Techno­logie und Raum­fahrt fördert das Projekt „PicPhotMat – Struktu­rierte Materi­alien für pico­photoni­sches analoges Computing“ im Rahmen seines Pro­gramms NanoMat­Futur mit insgesamt 2,3 Millionen Euro für fünf Jahre.

Dr. Elena Goi in einem Labor im Abbe Center of Photonics der Universität Jena. (Foto: Nicole Nerger/Universität Jena).
Dr. Elena Goi in einem Labor im Abbe Center of Photonics der Universität Jena.
Quelle: Nicole Nerger / U Jena

„Moderne KI-Methoden basieren auf neuro­nalen Netzen und erreichen eine dem Gehirn ähn­liche Leis­tungs­fähig­keit bei Auf­gaben, die für traditio­nelle Computer eine Heraus­forderung dar­stellen, für Menschen jedoch leicht zu bewältigen sind“, erklärt Elena Goi, die Leiterin der neuen Nach­wuchs­gruppe an der Univer­sität Jena. „Optische Systeme eignen sich hervorragend dafür, die großen Daten­mengen, mit denen neuro­mor­phe Systeme umgehen, schnell zu verar­beiten. Sie können komplexe mathema­tische Opera­tionen an großen Matrizen, welche die grund­legenden Bau­steine der KI-Algorith­men dar­stellen, mit deut­lich höherer Energie­effizienz ausführen als herkömm­liche Prozes­soren und über­treffen dabei die heute üblicher­weise verwendeten sili­zium­basier­ten elek­tro­ni­schen Techno­logien.“

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Tim Böhnert • 10/2024 • Seite 34

Vom Gehirn inspiriert

Trotz ihres großen Poten­zials sind diese neuro­morphen optischen Systeme bislang noch nicht bereit für breite Anwen­dungen. Ein Haupt­grund: Sie lassen sich bislang nur schwer verklei­nern und in großer Zahl auf einem Computer­chip inte­grieren. Zurzeit benötigen künst­liche optische Neuronen noch viel Platz auf einem Chip, selbst wenn modernste Fertigungs­techniken einge­setzt werden. Meta­materi­alien ermöglichen zwar sehr kompakte Ele­mente zur Informations­verarbeitung, doch diese sind typischerweise statisch und müssen für jede Anwen­dung maßgeschneidert werden. Für vielseitige KI-Systeme, die flexibel auf unter­schied­liche Aufgaben reagieren sollen, ist das zu aufwendig. Genau hier setzt „PicPhotMat“ an und sucht nach einem Weg, optische Bau­elemente so miniatu­ri­siert und flexibel zu gestalten, dass sie sich ähnlich viel­seitig ein­setzen lassen wie heutige elek­tronische Computer­chips.

„Unser Projekt bringt neueste Erkennt­nisse der Piko­photo­nik zum Einsatz, einem For­schungs­feld, das die Wechsel­wirkung zwischen Licht und Materie auf Abstän­den unter­sucht, die eine Million Mal kleiner sind als der Durch­messer eines mensch­lichen Haares“, erklärt die Physi­ke­rin der Uni­ver­sität Jena. „Die Inter­aktion von Licht und Materie in dieser Größen­ordnung hat das Poten­zial, das Ver­halten von Licht auf leistungs­starke Weise zu beein­flussen. Dadurch eröffnen sich völlig neue Möglich­keiten für die Entwick­lung hoch­kompakter, energie­effi­zienter und skalier­barer optischer neuro­morpher Systeme.“

Mit dieser besonderen Techno­logie will das Projekt „PicPhotMat“ den Weg zu einer nach­haltigen und leistungs­starken KI-Hardware für die Zukunft öffnen. Die For­schen­den wollen Chips ent­wickeln, die weniger Energie benöti­gen und gleich­zeitig deut­lich mehr leisten als heutige Systeme. Zudem soll das Projekt neue Ein­blicke darin liefern, wie Licht und Materie auf kleinster Ebene zusammen­wirken – Wissen, das lang­fristig völlig neue tech­ni­sche Möglich­keiten eröffnen könnte. [FSU / dre]

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