20.01.2016

Wechsel an der CERN-Spitze

Fabiola Gianotti ist seit Jahresbeginn neue Generaldirektorin, neuer Forschungsdirektor ist Eckhard Elsen.

Seit dem Jahreswechsel steht mit Fabiola Gianotti erstmals eine Frau an der Spitze des europäischen Forschungszentrums CERN. Sie folgt als Generaldirektorin auf den deutschen Physiker Rolf-Dieter Heuer, der im April das Amt des DPG-Präsidenten übernehmen wird. Die italienische Physikerin gehört dem CERN seit 1994 an und war Sprecherin der ATLAS-Kollaboration. Am 4. Juli 2012 präsentierte sie die Ergebnisse zur Suche nach dem Higgs-Boson am LHC. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche wissenschaftliche Preise, z. B. den Enrico-Fermi-Preis der Italienischen Physikalischen Gesellschaft oder die Ehrenmedaille des Niels-Bohr-Instituts in Kopenhagen. Der britische Guardian oder das Forbes Magazin würdigten ihre inspirierende Persönlichkeit.

Gleichzeitig übernahm der 60-jährige deutsche Teilchenphysiker Eckhard Elsen die Position des Forschungsdirektors. Er promovierte 1981 an der Uni Hamburg. Nach Stationen an SLAC, Kalifornien und in Heidelberg wechselte er 1990 ans Helmholtzzentrum DESY in Hamburg. Dort war er Sprecher der Kollaboration, die an HERA den H1-Detektor betreibt, und leitete später außerdem das Projektteam des DESY für den International Linear Collider. Seit 2006 ist er auch Professor an der Uni Hamburg.

„Ich halte es für eine der aufregendsten Tätigkeiten, die europäische Hochenergiephysik aktiv mitzugestalten“, sagt Eckhard Elsen im Interview im Physik Journal. In den nächsten Jahren möchte er am LHC die Ziele verwirklichen, die der CERN-Council und die EU-Kommission in einer gemeinsamen Strategie im Mai 2013 beschlossen haben. Die Luminosität soll weiter erhöht werden, um mehr Daten zu sammeln. Gleichzeitig sollen höhere Energien helfen, noch mehr über das Standardmodell und vielleicht darüber hinaus zu lernen.

Elsen möchte sich zudem für mehr so genannte Fixed-Target-Experimente einsetzen, bei denen z. B. die Protonen auf ein fest installiertes Target treffen. Das ist für eine größere Auslastung der kompletten Anlage sinnvoll, da die LHC-Experimente die Vorbeschleuniger immer nur kurz benötigen. „Insgesamt wollen wir die Kette der Vorbeschleuniger für die Teilchen- und Kernphysik besser nutzen“, stellt er fest.

„Darüber hinaus möchten wir auch zu anderen Projekten außerhalb des CERN beitragen“, betont Elsen. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, nicht aus den Augen verlieren, was etwa in den USA und Japan passiert. Zukünftige Projekte, zu denen das CERN beitragen möchte, sind etwa die Long Baseline Neutrino Facility in den USA oder der angedachte International Linear Collider. „Mit den dort geplanten Elektron-Positron-Kollisionen ließen sich Messungen am LHC sehr gut ergänzen und präzisieren“, betont Elsen.

Als nächste Schlagzeile zur Forschung am CERN wünscht er sich „Unerwartete Physik am LHC“. Aktuell ruhen die Hoffnungen auf ungeklärten Fluktuationen in den Zwei-Photonen-Kanälen, die vor Weihnachten beobachtet wurden. Dafür müssen sie sich aber noch als echte Signale herausstellen. „Die zusätzlichen Daten der kommenden Monate machen es möglich, zeitnah zu entscheiden,“ blickt Eckhard Elsen gespannt in die Zukunft am LHC.

Das vollständige Interview mit Eckhard Elsen finden Sie im Februar-Heft des Physik Journal.

Kerstin Sonnabend

 

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