Plasma-Linsen für ultraschnelle Experimente
Ein Forscherteam vom Max-Born-Institut und von DESY hat einen Weg gefunden, Attosekundenpulse bei hoher Leistung zu fokussieren.
Attosekundenpulse sind unverzichtbare Werkzeuge, um die Bewegung von Elektronen in Atomen, Molekülen und Festkörpern zu beobachten und zu steuern. Das Fokussieren dieser Lichtblitze, die nur Milliardstel von Milliardsteln einer Sekunde dauern und im Bereich des extremen Ultravioletts (XUV) oder der Röntgenstrahlung liegen, ist jedoch als äußerst schwierig, da geeignete optische Komponenten fehlten. Spiegel werden häufig eingesetzt, bieten aber nur eine geringe Reflexion und verschleißen schnell. Linsen sind zwar das Werkzeug der Wahl zum Fokussieren von sichtbarem Licht, eignen sich jedoch nicht für Attosekundenpulse, da sie starke Absorption und Dispersion aufweisen. Die Forscher am MBI und DESY haben dieses Problem gelöst, indem sie eine Plasmalinse erzeugt haben.


Dazu schicken sie starke elektrische Pulse durch Wasserstoffgas in einem winzigen Röhrchen. Dieser Prozess entfernt die Elektronen aus den Wasserstoffatomen und erzeugte ein Plasma. Die Elektronen bewegten sich dabei von selbst nach außen zu den Rändern des Röhrchens, wodurch das Plasma die Form einer konkaven Linse annimmt. Normalerweise würde eine solche Linse Licht zerstreuen, anstatt es zu bündeln. Da Plasma Licht jedoch anders bricht als gewöhnliche Materialien, werden die Attosekundenpulse stattdessen fokussiert.
Wie die Forschenden in ihrer Arbeit zeigen, lassen sich so Attosekundenpulse über verschiedene XUV-Bereiche fokussieren. Dabei ist die Brennweite abstimmbar, indem die Plasmadichte geändert wird. Außerdem erreichten sie eine hohe Transmission von über achtzig Prozent. Besonders wichtig ist, dass die Plasmalinse gleichzeitig als wirksamer Filter für die infraroten Treiberpulse dient, für die sonst dünne Metallfilter nötig sind. Dadurch werden diese Filter überflüssig und es kann mehr Attosekundenleistung genutzt werden. Mit den stärkeren Pulsen stehen Wissenschaftlern nun neue Möglichkeiten für Experimente offen, die bisher oft durch schwache Lichtquellen eingeschränkt waren.
Um besser zu verstehen, wie sich die fokussierten Attosekundenpulse zeitlich verhalten, führten die Forscher Computersimulationen durch. Sie stellten fest, dass sich die Pulse nur leicht verlängerten, nämlich von 90 auf 96 Attosekunden. Unter realistischeren Bedingungen, wenn verschiedene Farben des Pulses leicht zeitversetzt eintreffen – ein Phänomen, das als Chirp bekannt ist – verkürzte die Plasmalinse die Pulse sogar: Die Dauer verringerte sich von 189 auf 165 Attosekunden.
Mit dem experimentellen Nachweis einer Plasmalinse für Attosekundenpulse haben die Forscher eine wesentliche Einschränkung der Attosekundenwissenschaft überwunden. Die Methode ermöglicht einfache Justierung, hohe Transmission und die Fähigkeit, Licht über verschiedene Farben hinweg zu fokussieren. Diese Vorteile eröffnen ein breites Spektrum an Anwendungen – von der Abbildung der Elektronendynamik in komplexen Materialien bis hin zur Weiterentwicklung der Quantentechnologien und der nächsten Generation der ultraschnellen Mikroskopie. [MBI / DESY / dre]
Weitere Informationen
- Originalpublikation
E. Svirplys, H. Jones, G. Loisch, et al., Plasma lens for focusing attosecond pulses, Nat. Photon., 4. November 2025; DOI: 10.1038/s41566-025-01794-y - Plasma acceleration and high-power lasers (MPL Group, Andreas Maier), Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, Hamburg
- Attosekunden-Pump Attosekunden-Probe Spektroskopie (Bernd Schütte), Bereich Attosekundenphysik, Max-Born-Institut, Berlin
Anbieter
Max-Born-Institut (MBI) im Forschungsverbund Berlin e.V.Max-Born-Straße 2A
12489 Berlin
Deutschland
Meist gelesen

Ein Paradigmenwechsel in der Röntgenastronomie
SRG/eROSITA zeigt erstmals, wie unser Sonnensystem das Erscheinungsbild des Röntgenhimmels verändert und sieht Helium-Fokussierungskegel.

Halbleiterindustrie setzt auf falsche Materialien
2D-Materialien gelten als Zukunftshoffnung für Computerchips, doch manche sind ungeeignet – wegen eines unterschätzten Effekts. Es gibt aber Auswege.

Solarzellen der nächsten Generation entschlüsselt
Physiker am ISTA erklären die außergewöhnliche Energieausbeute von Blei-Halogenid-Perowskiten mit Verunreinigungen und Defekten.

Doppelspalt-Röntgenexperiment enthüllt verborgene Details
Forschende bauen weltweit kleinstes Interferometer und vermessen damit Wechselwirkung von Röntgenstrahlen mit Atomkernen.

Atmosphäre wo keine sein dürfte
Berufs- und Amateuerforschende in Japan detektieren eine dünne Gashülle um ein 500-Kilometer-Objekt im äußeren Sonnensystem.










