Auszeichnungen für herausragende Leistungen in der Astronomie
Die deutsche Fachgemeinschaft für Astronomie und Astrophysik ehrt Marta Volonteri, Cornelis Dullemond, Caroline Gieser, Maximilian Häberle, Florian Freistetter, Klaus Hünig, Alexander Leukert und Leon Heinisch.
Die Astronomische Gesellschaft hat ihre Preisträgerinnen und Preisträger für das Jahr 2026 bekannt gegeben: Marta Volonteri erhält die Karl-Schwarzschild-Medaille, Cornelis Dullemond den Astrophysikalischen Softwarepreis, Caroline Gieser den Ludwig-Biermann-Preis, Maximilian Häberle den Promotionspreis, Florian Freistetter den Bruno-H.-Bürgel-Preis und Klaus Hünig den Hans-Ludwig-Neumann-Preis. Alexander Leukert und Leon Heinisch wurden mit dem Jugend-forscht-Sonderpreis ausgezeichnet.

Marta Volonteri [🔎], Directrice de Recherche am Institut d’Astrophysique de Paris (CNRS) wird für ihre wegweisenden Beiträge zum Verständnis der Entstehung und Entwicklung massereicher Schwarzer Löcher sowie ihrer Rolle bei der Entwicklung des Universums ausgezeichnet. Ihre Arbeiten haben unser Verständnis grundlegend erweitert, wie Schwarze Löcher mit Massen von Millionen bis Milliarden Sonnenmassen in den Zentren von Galaxien entstehen und wie ihre Entwicklung eng mit der Entstehung von Galaxien und großräumigen kosmischen Strukturen verknüpft ist. Durch die Verbindung theoretischer Modellierung mit der Interpretation von Beobachtungen habe sie das entscheidende Zusammenspiel zwischen dem Wachstum Schwarzer Löcher, der Galaxienentstehung, Akkretionsprozessen, Sterndynamik und der Entwicklung des Universums bei hohen Rotverschiebungen aufgezeigt.
Für die Konzeption, Entwicklung und langjährige Betreuung der Strahlungstransport-Software RADMC-3D verleiht die AG den Astrophysikalischen Softwarepreis 2026 an Cornelis Dullemond, Professor an der Universität Heidelberg. RADMC-3D ist ein einflussreiches und weit verbreitetes Softwarepakete der modernen Astrophysik. Es bietet Forschenden einen leistungsfähigen Rahmen zur Modellierung des Strahlungstransports in Gas und Staub sowie zur Erzeugung synthetischer Beobachtungsdaten, die direkt mit astronomischen Messungen verglichen werden können. Dank seiner Flexibilität und Zuverlässigkeit ist das Programm zu einem Standardwerkzeug in Forschungsfeldern geworden, die von protoplanetaren Scheiben und Sternentstehung über entwickelte Sterne bis hin zu aktiven Galaxienkernen reichen.
Caroline Gieser erhält den Ludwig-Biermann-Preis 2026 für ihre herausragenden Beiträge zum Verständnis der physikalischen und chemischen Prozesse, die die Sternentstehung bestimmen. Durch die Kombination modernster Beobachtungen mit fortgeschrittener astrochemischer Modellierung lieferten ihre wegweisenden Untersuchungen massereicher Sternentstehungsgebiete erstmals Beobachtungsbeschränkungen für die Dichte- und Temperaturstrukturen massereicher protostellarer Kerne und zeigten, wie sich die chemische Entwicklung nutzen lässt, um die frühesten Phasen der Sternentstehung nachzuverfolgen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, der Beobachtungen mit anspruchsvoller physikalischer und chemischer Modellierung verbindet und grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung sternbildender Regionen über ein breites Spektrum von Massen und Entwicklungsstadien hinweg liefert.
Den Promotionspreis 2026 verleiht die AG an Maximilian Häberle von der ESO für seine bahnbrechenden Beiträge zur Erforschung Schwarzer Löcher und stellarer Systeme. Im Rahmen seiner Promotion am MPIA erstellte er einen bislang einzigartigen astrometrischen Katalog mit Daten von mehr als 1,4 Millionen Sternen in Omega Centauri, dem massereichsten Sternhaufen der Milchstraße. Dabei identifizierte er eine kleine Population besonders schneller Sterne im Zentrum des Haufens und konnte zeigen, dass ihre Bewegungen nur durch die Existenz eines Schwarzen Lochs mittlerer Masse mit mehr als achttausend Sonnenmassen erklärt werden können. Diese Entdeckung stellt den ersten eindeutigen Nachweis eines Schwarzen Lochs mittlerer Masse dar.
Florian Freistetter erhält den Bruno-H.-Bürgel-Preis 2026 für seine außerordentlichen Erfolge, Astronomie einem breiten Publikum durch Bücher, Podcasts, Blogs und Live-Auftritte nahezubringen. Seine Bücher – wie Die Farben des Universums – haben astronomische Konzepte und Entdeckungen einer großen Leserschaft vermittelt. Mit äußerst erfolgreichen Formaten wie Astrodictum Simplex, einem der meistgelesenen Wissenschaftsblogs im deutschsprachigen Raum, sowie Podcasts und Kolumnen erreicht er viele Interessierte. Seit 2015 ist er außerdem Mitglied der renommierten österreichischen Wissenschafts-Comedy-Gruppe Science Busters.
Der Hans-Ludwig-Neumann-Preis 2026 wird an Klaus Hünig für sein lebenslanges Engagement für eine innovative und praxisorientierte astronomische Bildung verliehen. Bereits in den 1980er Jahren entwickelte er neben seiner Arbeit als Lehrer Lehrmodelle und Bausätze, mit denen Schülerinnen und Schüler astronomische Phänomene durch eigenes Experimentieren unmittelbar erfahren konnten. Im Laufe der Jahre weitete sich dies auf Mathematik, Physik und Optik aus und führte zu einer bemerkenswerten Sammlung von Unterrichtsmaterialien, die Schulen im gesamten deutschsprachigen Raum einsetzen.
Alexander Leukert und Leon Heinisch vom Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen gewannen unlängst beim Jugend forscht Finale in Herzogenaurach den 1. Preis im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften und erhielten darüber hinaus den von der AG vergebenen Sonderpreis für eine Arbeit aus dem Bereich Astronomie. In ihrem Projekt untersuchten sie, ob sich die Bahnen von Satelliten vorhersagen lassen, die sich zwischen einem Planeten und dessen Monden befinden. Dazu entwickelten sie ein eigenes mathematisches Modell zur Untersuchung von Satellitenbahnen. Sie analysierten ein Stern-Planet-Mond-System und untersuchten die Stabilität der Umlaufbahnen. Dabei konnten sie zeigen, dass in der Nähe bestimmter Punkte zwischen einem Planeten und seinen Monden kleine geschlossene Umlaufbahnen möglich sind.
Die Preisverleihungen finden im Rahmen der Jahrestagung der AG im September 2026 in Garching statt. [AG / dre]
















