Suchen nach: Supernovae

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In eisiger TiefeSummer Blot, Sebastian Böser, Lea Schlickmann, Anna Vocke und Jan Weldert7/2026Seite 31DPG-Mitglieder

In eisiger Tiefe

In der Antarktis erhält das IceCube-Experiment nach mehr als fünfzehn Jahren erfolgreicher Messungen mit einem Upgrade neuen Aufschwung.



Als einer der kältesten, trockensten und abgelegensten Orte der Welt ist der geografische Südpol ein Ort der Extreme. Passend dazu hat ein internationales Forschungsteam beschlossen, dort eine extreme Vision zu realisieren: das IceCube-Experiment. Der weltweit größte Neutrinodetektor hat unter anderem die genauesten Messungen der Oszillationen atmosphärischer Neutrinos vorgenommen und strenge Obergrenzen für viele Theorien jenseits des Standardmodells gesetzt. Aufbauend auf diesem Erfolg soll die gerade fertiggestellte Erweiterung „IceCube Upgrade“ die ­Eigenschaften der Neutrinos noch genauer vermessen.

In natürlichen Prozessen wie dem radioaktiven Betazerfall oder Supernovae entstehen zahlreiche Neutrinos. Sie gehören zu den häufigsten Teilchen im Universum, bleiben aber trotz ihrer Allgegenwärtigkeit die am wenigsten verstandenen Bausteine des Standardmodells. Zu ihren faszinierenden Eigenschaften gehört es, dass sie die einzigen elektrisch neutralen Fermionen sind und nur über die schwache Kraft wechselwirken. Daher interagieren sie fast nicht mit Materie und sind extrem schwer zu detektieren. Neutrinos galten lange Zeit als masselos. Doch mittlerweile wissen wir, dass sie eine − wenn auch verschwindend geringe − Ruhemasse besitzen. Deren Messung ist bis heute eine Herausforderung. Dass sie von Null verschieden sein muss, zeigt das Phänomen der Neutrinooszillationen.

Neutrinos entstehen ausschließlich über Prozesse der schwachen Wechselwirkung und lassen sich auch nur durch diese nachweisen. Findet dabei der Austausch eines Z0-Bosons statt, was einer Streuung gleicht, bleibt das Neutrino unverändert. Wechselwirkt es jedoch mittels eines ­W±-Bosons, so wandelt es sich in ein geladenes Lepton um. Je nach Flavour dieses Leptons (e, μ, τ) befindet sich das Neutrino bei der Wechselwirkung in dem entsprechenden quantenmechanischen Eigenzustand (νe, νμ, ντ), dem sogenannten Flavourzustand. Bei der Bewegung durch den Raum liegen sie allerdings in Eigenzuständen vor, die den Neutrinomassen zugeordnet und als ν1, ν2 und ν3 bezeichnet werden. In der Quantenmechanik kann ein Teilchen als Überlagerung mehrerer Zustände existieren, sodass im Falle der Neutrinos jeder Flavourzustand aus allen drei Massezuständen besteht und umgekehrt. Wenn ein Neutrino also in einem bestimmten Flavourzustand entsteht, enthält es Anteile aller drei Massenzustände. Bewegt es sich durch Raum und Zeit, ändert sich seine Zusammensetzung in den unterschiedlich schweren Massenzuständen, da diese mit verschiedenen Geschwindigkeiten propagieren. Folglich ergibt sich nach einer gewissen Zeit ein anderer Flavourzustand; diesen Effekt bezeichnet man als Neutrinooszillation. (...)


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Jakob Schöll7/2026Seite 22DPG-Mitglieder

Auf den Punkt gebracht

Photo
03.06.2026 • NachrichtForschung

Eisen im Eis

Umgeben von Sternen­staub: Lo­ka­le Inter­stel­la­re Wol­ke hin­ter­lässt Spu­ren in der Ant­ark­tis.

Durch die Linse betrachtetRobert Reischke, Benjamin Stölzner und Hendrik Hildebrandt6/2026Seite 25DPG-Mitglieder

Durch die Linse betrachtet

Mit dem Gravitationslinseneffekt lässt sich das kosmologische Standardmodell gezielt testen.

Eines der wichtigsten Werkzeuge, um Fragen zur Natur der Gravitation, der Dunklen Materie sowie über die Vergangenheit und Zukunft des Universums zu beantworten, ist der Gravitationslinseneffekt. Dabei lenken Massekonzentrationen die Lichtstrahlen entfernter Quellen ab. Die Analyse dieser Ablenkung für Millionen von Galaxien erlaubt Rückschlüsse, wie sich die Materie im Universum verteilt, und beantwortet so fundamentale Fragen der Physik.

Das kosmologische Standardmodell ist eine der gro­ßen­ Erfolgsgeschichten der modernen ­Physik. Wenn man annimmt, dass die Allgemeine Relativitäts­theo­rie gilt sowie statistische Isotropie und Homogenität vorliegen, beschreibt es unser Universum über viele Größenska­len hinweg konsistent. Diese reichen von der Entstehung der leichten Elemente nur Minuten nach dem Urknall über den kosmischen Mikrowellenhintergrund bis hin zur Ex­pansionshistorie, die sich zum Beispiel mit Supernovae und der statistischen Verteilung großskaliger Strukturen messen lässt. Immer neue Datensätze haben die Kosmologie in den letzten drei Jahrzehnten zu einer präzisen Wissenschaft weiterentwickelt, die viele alternative kosmologische Modelle ausschließen konnte. Die beobachtende Kosmologie überprüft die Komponenten des Standardmodells mittels neuer Daten und Methoden gründlich. Solche kosmologischen Tests nutzen häufig den Gravitationslinseneffekt, eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie [2]. 

Arthur Eddington konnte den Gravitationslinseneffekt 1919 erstmals während einer Sonnenfinsternis nachweisen und so die Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie bestätigen, dass die beobachtete Ablenkung etwa dem doppelten Wert der Newtonschen Abschätzung entsprechen sollte. Diesen Unterschied begründet die Allgemeine Relativitätstheorie mit einer räumlichen Krümmung zusätzlich zur zeitlichen. Sechzig Jahre später ließen sich Mehrfachbilder eines Quasars beobachten. (...)

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Henri Wagner6/2026Seite 10DPG-Mitglieder

Die ESA bittet um Mithilfe

Mit einem Citizen-Science-Projekt möchte die ESA die Schwarm­intelligenz der Bürger:innen nutzen, um starke Gravitationslinsen zu identifizieren.

Matthias Delbrück5/2026Seite 17DPG-Mitglieder

USA: Unabhängiges arXiv.org; Gestrichener Satellit; Stand up for Science 2.0

Henri Wagner4/2026Seite 20DPG-Mitglieder

Auf den Punkt gebracht

1/2026Seite 69DPG-Mitglieder

Wie man (k)eine Bachelorarbeit schreibt; Von Memes bis Montagsmaler

Arshia M. Jacob, Friedrich ­Wyrowski und Tomasz Kamiński11/2025Seite 62DPG-Mitglieder

Charting the Cosmos: From Cosmic Stellar Nurseries to Evolved Stars using High ­Powered Telescopes

839. WE-Heraeus-Seminar

Gerhard Birkl, Malte Schlosser­, Florian Meinert und Johannes Zeiher11/2025Seite 62DPG-Mitglieder

Quantum Science with Interacting Arrays of Rydberg Atoms and Molecules

837. WE-Heraeus-Seminar

Jan Wiersig, Ramy El-Ganainy und Sahin ­Ozdemir11/2025Seite 62DPG-Mitglieder

Non‐Hermitian and ­Topological Photonics

836. WE-Heraeus-Seminar

Kosmische LeuchttürmeDominika Wylezalek10/2025Seite 26DPG-Mitglieder

Kosmische Leuchttürme

Quasare im Blick des James-Webb-Weltraumteleskops

Gerade einmal einhundert Jahre ist es her, dass Edwin Hubble belegte, dass die Milchstraße nicht die einzige Galaxie im Universum ist, sondern dass es Milliarden weiterer Galaxien füllen. Die Weite und scheinbare Unendlichkeit des Universums regen zum Nachdenken an: Welchen Platz nehmen wir Kosmos ein? Wie und wann entstehen Galaxien? Warum sieht unsere Milchstraße genau so aus – und nicht anders? Um diese grundlegenden Fragen der modernen Astrophysik zu beantworten, entwickelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer leistungsfähigere Teleskope, die einen Blick in die tiefsten Regionen des Alls ermöglichen.

Mit dem James-Webb-Weltraumteleskop beginnt nun eine neue Ära der Himmelsbeobachtung. Es erlaubt uns einen tieferen Einblick in die Vergangenheit des Universums als je zuvor und beleuchtet die dynamischen Prozesse des jungen Kosmos – von der Entstehung supermassereicher Schwarzer Löcher bis hin zu den leuchtkräftigen Quasaren, die das frühe Universum prägten. 

Heute wissen wir, dass sich das Universum nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren und einer kurzen Phase exponentieller Expansion − der sogenannten Inflation − allmählich abkühlte. Dieser Prozess setzte sich fort, bis sich Photonen und Materie entkoppelten und eine Phase begann, in der noch keine Sterne oder Galaxien leuchteten. Erst durch gravitative Instabilitäten innerhalb der Dunklen Materie bildeten sich lokale Verdichtungen, die baryonische Materie an sich zogen. (...)

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Alexander Pawlak9/2025Seite 22DPG-Mitglieder

Vorschau auf den kosmischen Film

Die ersten Bilder des Vera C. Rubin Observatory beeindrucken mit Größe und Detailfülle.

Alexander Pawlak7/2025Seite 14DPG-Mitglieder

Übereinkommendes Jubiläum

Die Europäische Weltraumorganisation feiert 50 Jahre ESA-Konvention.

Anja Hauck7/2025Seite 15DPG-Mitglieder

Wirksame Förderung

Ein Bericht des Europäischen Forschungsrats beleuchtet das Innovationspotenzial der Proof of Concept-Grants.

1/2025Seite 28

Behind the science

Alexander Pawlak / ESA4/2025Seite 11DPG-Mitglieder

Letzter Blick auf kosmische Extreme

Nach 22 Jahren hat das europäische Gammastrahlenteleskop Integral seine Beobachtungen eingestellt.

(Vor-)Stoß in den MikrobereichUlrich Teubner, Walter Garen und Lars Jepsen2/2025Seite 29DPG-Mitglieder

(Vor-)Stoß in den Mikrobereich

Mikrostoßwellen sind Schockwellen, die teils mit mehr als 500 bis 700 Meter pro Sekunde durch haardünne Kapillaren rasen.

Stoßwellen finden sich in vielfältiger Weise in Natur und Technik. Meist entstehen sie im makroskopischen Bereich, etwa bei Supernovae. Sie finden Anwendung in der Medizin oder in großen Rohren bei physikalischen, chemischen und technischen Untersuchungen. Stoßwellen jedoch, die mit Überschallgeschwindigkeit durch extrem dünne Röhrchen laufen, bedeuten Neuland. Solche „Mikrostoßwellen“ bilden ein neues Teilgebiet der Strömungsphysik, von dem zukünftig Anwendungen ebenso profitieren können wie die Grundlagenphysik.

Eine Stoßwelle, manchmal auch Schockwelle genannt, bedeutet physikalisch betrachtet, dass sich eine Störung schneller in einem Medium ausbreitet als mit der dort charakteristischen Geschwindigkeit. Einfacher ausgedrückt handelt es sich um eine Druckwelle, deren Geschwindigkeit höher ist als die lokale Schallgeschwindigkeit. Dadurch ändern sich über die Stoßfront die Zustands­größen wie Druck, Dichte und Temperatur nahezu sprunghaft. Mit dem sehr schnellen Druckanstieg geht ein sehr schnelles Aufheizen der Materie einher, was Stoßwellen zur Untersuchung von Hochtemperaturphänomenen prädestiniert. 

Als natürliche Phänomene treten Stoßwellen in der Astrophysik und beim Eintritt von Meteoriten in die Erd­atmosphäre auf. Sie sind Begleiterscheinungen von Blitzen in Form von Donner, Explosionen aller Art und Kavitations­blasen. In der Luft- und erdnahen Raumfahrt kommen sie etwa als „Überschallknall“ vor. Anwendung finden sie sowohl in der Medizinphysik (z. B. bei der Stoßwellen­lithotripsie) als auch bei der Erforschung von Materie unter extremen Bedingungen, wie der Physik bei hohen Energiedichten und bei lasererzeugten Plasmen. Stoßwellen sind also weit verbreitet.   

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Die Sonne besser verstehenFriedrich-Karl Thielemann und Michael Wiescher2/2025Seite 18DPG-Mitglieder

Die Sonne besser verstehen

Die Messung der Halbwertszeit eines vollständig ionisierten Thallium-Isotops gibt Einblicke in die Zeit direkt vor der Entstehung der Sonne und ihre Neutrinoemission.

Kohärent gestreutMichael Wurm1/2025Seite 20DPG-Mitglieder

Kohärent gestreut

Die Experimente XENONnT und Panda-X haben erstmals Neutrinos von der Sonne nachgewiesen.

David Blaschke, Oleksii Ivanytskyi, Krzysztof Redlich12/2024Seite 66DPG-Mitglieder

Phase Transitions – From the Laboratories to the Cosmos

WE-Heraeus Physics School and 60th Karpacz Winter School on Theoretical Physics

Vorstoß zu neuen EnergienJens Erler12/2024Seite 22DPG-Mitglieder

Vorstoß zu neuen Energien

Der FASER-Kollaboration ist es erstmals gelungen, die Wirkungsquerschnitte von Elektronneutrinos mit Energien von mehreren TeV zu bestimmen.

Michael Rohde, Viktor Bekassy, Diana Kirschbaum12/2024Seite 66DPG-Mitglieder

Next generation Quantum Materials: Correlations and Magnetism Meet Topology

Bad Honnef Physics School

Timo Betz, Chase Broedersz,Franziska Lautenschläger12/2024Seite 66DPG-Mitglieder

The Cytoskeleton as Active Matter

818. WE-Heraeus-Seminar

Roland Diehl, Jochen Greiner und Joachim Trümper9/2024Seite 100DPG-Mitglieder

Nachruf auf Volker Schönfelder

Enlightening the dark universeDaniela Doneva9/2024Seite 76DPG-Mitglieder

Enlightening the dark universe

Gravitational waves promise to shed light on fundamental physics through observations of dark compact objects.

Gravitational waves provide a unique window into the most cataclysmic events in the universe, from the Big Bang to black hole mergers. They complement traditional electromagnetic astronomy and, in addition, reveal phenomena that were previously hidden from our view.

The direct detection of gravitational waves in 2015 [1] was among the most important discoveries in fundamental physics in recent decades and a proof of one of the fundamental predictions of General Relativity (GR). The signal was observed by the two underground LIGO detectors in Hanford and in Livingston (Fig. 1); the comparison of the data in the bottom plot demonstrates that both detectors witnessed the same event. At least two detectors operating simultaneously are needed to confirm the detection because these instruments are so sensitive that various noises might contaminate the signal, such as seismic activities or even animals walking on the ground above the detector. In addition, it is very important that the observed signal matches the theoretical prediction very well. This is a confirmation that the observed gravitational wave event is a merger of two compact objects with spacetime curvature in their vicinity reaching extreme values. Even though a number of exotic scenarios cannot be excluded, the most probable one is that these were two colliding black holes. (...)

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Galaxien am Rand des UniversumsVolker Bromm6/2024Seite 20DPG-Mitglieder

Galaxien am Rand des Universums

Hat das James Webb Space Telescope die Quellen der kosmischen Reionisation gefunden?

Bildende AstronomieOliver Schwarz und Karl-Heinz Lotze6/2024Seite 27DPG-Mitglieder

Bildende Astronomie

Der Wert der Astronomie für die Allgemeinbildung ist kaum zu überschätzen.

Dieser Artikel soll zeigen, was wir unter astronomischer Bildung verstehen und warum wir deren angemessene Repräsentation in den schulischen Lehrplänen und in den Ausbildungsgängen des naturwissenschaftlichen Nachwuchses für unerlässlich halten. Dabei berücksichtigen wir weder die oft kurzlebigen, durch den Zeitgeist bestimmten bildungs- und schulpolitischen Wunschvorstellungen noch die adressatenabhängigen methodischen Aspekte der Wissensvermittlung.

Obwohl es unterschiedliche Auffassungen zum Begriff „Bildung“ gibt, wird gerade der Himmelskunde häufig eine bedeutsame Rolle eingeräumt. Dabei konkurrieren bestimmte Ansichten über die Nützlichkeit von Wissen im Sinne „ökonomischer Verwertbarkeit“ sowie motivationale Aspekte (z. B. das Wecken eines Interesses an Physik) mit erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Gesichtspunkten des dargebotenen Stoffes, mit der Bedeutung eines naturwissenschaftlich begründeten Weltbildes und auch mit der Fähigkeit des Individuums, sich selbst in größere Zusammenhänge einzuordnen.

Für Wilhelm von Humboldt war Bildung der entscheidende Weg, um sich als Mensch selbst zu vervollkommnen, seine Talente zu entwickeln und individuelle Fähigkeiten zu erkunden und zu fördern [1]. Dieses Bildungs­ideal entspricht durchaus den Vorstellungen derjenigen jungen Menschen, die sich dem Studium der Astronomie und Physik widmen und wissen wollen, was die „Welt im Innersten zusammenhält“, und die sich an der Suche nach Antworten auf diese Frage beteiligen und daran individuell wachsen wollen. Gleiches darf man, altersgerecht abgestuft, auch von Schulkindern behaupten, die sich im naturwissenschaftlichen Unterricht bevorzugt für aktuelle Themen astrophysikalischer Forschung interessieren. (...)

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Ein Beleg der OszillationManami Sasaki5/2024Seite 20DPG-Mitglieder

Ein Beleg der Oszillation

Neue Messungen haben gezeigt, dass die Radcliffe-Welle – eine Gasstruktur in der Milchstraße – schwingt und sich vom Galaktischen Zentrum entfernt.

Das „Ah!“ der AstronomieAlexander Pawlak4/2024Seite 30DPG-Mitglieder

Das „Ah!“ der Astronomie

Von Ptolemäus bis Pink Floyd – Projektionsplanetarien bieten seit 100 Jahren einen perfekten Sternenhimmel und ­mittlerweile vieles andere mehr.

Jena, am 24. Februar 1914 – ein Arbeitstreffen nimmt eine unerwartete Wendung. Der Leiter der physikalischen und astronomischen Abteilung des Deutschen Museums Franz Fuchs ist im Auftrag des Museumsgründers Oskar von Miller zum Standort der Firma Carl Zeiss gereist. Seine Mission: die mechanischen Details für ein begehbares Planetarium zu besprechen, das die Planeten­bewegungen aus dem Blickwinkel der Erde darstellen soll – diese ptole­mäische Perspektive dient als Gegenstück zu einem weiteren, kopernikanischen Planetarium, in dem die Sonne im Zentrum steht. Dies soll die kopernikanische Wende im Deutschen Museum sinnlich erfahrbar machen. Doch Walter Bauersfeld, der mit seinem Kollegen Rudolf Straubel die Zeiss-Geschäftsverwaltung repräsentiert, hat eine bessere Idee: Warum eine komplizierte Mechanik entwerfen, wenn man die Bilder von Sonne, Mond und Planeten auf die Innenseite der Kugel projizieren kann? Die Konstruktion wäre einfacher und – so wirft Straubel ein – die Fixsterne könne man dann auch gleich auf die Kugel projizieren.

Gesagt war noch nicht getan, der Beginn des Ersten Weltkriegs verzögert die Entwicklungsarbeiten, aber das, was dabei herauskommt und am 21. Oktober 1923 erstmals in der provisorischen 16-Meter-Kuppel auf dem Dach der Zeiss-Fabrik in Jena präsentiert wird, übertrifft alle Erwartungen. Die komplexe optomechanische Apparatur gilt sogleich als „Wunder aus Jena“: Ein knochenförmiger Mechanismus zaubert einen brillanten und realistischen Sternenhimmel an die Kuppeldecke, wie man ihn so nur an den dunkelsten Orten auf der Erde erleben kann. Das entlockt dem Publikum beim ersten öffentlichen Betrieb ab Juli 1924 in Jena und ab 7. Mai 1925 im Deutschen Museum in München stets ein ungläubiges Staunen. Das „Ah!“ gehört so von Anfang an zum Planetariums­erlebnis, nicht aber das Sitzen. Im Deutschen Museum bekommt erst das neue und größere Planetarium im Jahr 1956 einen bestuhlten Zuschauerraum. Zu dieser Zeit hat das Planetarium seinen Siegeszug auf der ganzen Welt angetreten, nach einer Zäsur durch den Zweiten Weltkrieg. Zeiss-Projektoren gehören immer noch zu den Spitzenerzeugnissen, aber längst haben auch andere Technologien und Anbieter den Markt erobert. (...)

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Alexander Pawlak4/2024Seite 46DPG-Mitglieder

Till Mundzeck: Unser neues Auge im All; Dirk Lorenzen: Die Pracht des Universums

Mehr als Dunkle MaterieAlexander Fieguth, Rafael F. Lang, Christian Weinheimer und Christian Wittweg3/2024Seite 40DPG-Mitglieder

Mehr als Dunkle Materie

Xenondetektoren für Dunkle Materie sind die Schweizer Taschenmesser der Astroteilchenphysik bei niedrigen Energien.

Große Detektoren mit tonnenschweren Targets aus Xenon wurden ursprünglich entwickelt, um Teilchen der Dunklen Materie nachzuweisen, beispielsweise Weakly Interacting Massive Particles. Die hervorragenden Eigenschaften dieser Detektoren machen sie allerdings auch interessant für viele weitere Suchen nach seltenen Ereignissen, die teils das Tor zu neuer Physik öffnen.

Mit dem XENON1T-Detektor ist es gelungen, die längste je direkt gemessene Halbwertszeit eines Atomkerns zu bestimmen: (1,8 ± 0,5) · 1022 Jahre für den gleichzeitigen Einfang von zwei Elektronen aus der K-Schale in 124Xe [1]. Außerdem wurde erstmals ein doppelter Elektroneneinfang beobachtet. Als doppelt schwacher Zerfall ist dieser nicht nur für die theoretische Modellierung von Atomkernen interessant, sondern bildet auch einen Baustein für die Suche nach neuer Physik in seltenen Kernzerfällen. Dass diese Messung erst kürzlich gelang, liegt nicht nur an der Seltenheit des Zerfalls, sondern auch an der niedrigen nachzuweisenden Energie von einigen Kiloelektronenvolt (keV). Der XENON1T-Detektor, der eigentlich zur Suche nach Dunkler Materie dient, vereint einzigartige Vorteile, die diese Messung nun ermöglichten: die lange Beobachtung vieler Atome in einem Target aus mehreren Tonnen Xenon, eine niedrige Energieschwelle von weniger als 1 keV und eine hervorragende Reduktion der zahlreichen Störereignisse (Untergrund) in diesem Energiebereich.

Während das Nachfolgeexperiment XENONnT erste Ergebnisse zu Suchen nach Dunkler Materie veröffentlicht hat, ist die nächste Generation dieser Detektoren bereits in Planung, um die Suche nach seltenen Ereignissen mit einer aktiven Masse von einigen zehn Tonnen Xenon voranzutreiben. Ein solches Experiment kombiniert einen großen Detektor und niedrigen Untergrund mit einer niedrigen Energieschwelle und ist damit ein sehr vielseitiges Observatorium für die Niederenergie-Astroteilchenphysik [2]. (...)


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David Blaschke, Thomas D. Kühne und Ralf Schützhold3/2024Seite 81DPG-Mitglieder

Many-Particle Systems under Extreme Conditions

Polnisch-deutsches WE-Heraeus-Seminar

Lutz Kasper und Jan Winkelmann3/2024Seite 81DPG-Mitglieder

Schwingungen und Wellen in Alltagskontexten

WE-Heraeus-Fortbildung für Lehramtsstudierende, Studienreferendare und Lehrkräfte

Alexander Pawlak2/2024Seite 12DPG-Mitglieder

Pionier und Pechvogel

Vielfältige Aktionen erinnern an den Astronomen Simon Marius (1573 – 1624).

Maike Pfalz2/2024Seite 13DPG-Mitglieder

Eine Probe für Einstein

Anfang Januar startete die Chinesische Akademie der Wissenschaften ihren Röntgensatelliten Einstein Probe.

2/2024Seite 12DPG-Mitglieder

DFG: Forschungsimpulse

Seltene und extreme Supernovae: Kernkollaps-Supernovae – Teil 2Hans-Thomas Janka1/2024Seite 40

Seltene und extreme Supernovae: Kernkollaps-Supernovae – Teil 2

Open Access

Robotische Teleskope entdecken eine zunehmende Vielfalt transienter Strahlungsquellen, deren ungewöhnliche Eigenschaften neue Arten von Sternexplosionen nahelegen. Obwohl die absolute Häufigkeit solcher Ereignisse sehr klein ist, erlaubt ihre extreme Helligkeit relativ häufige Sichtungen, stellt aber theoretische Modelle vor große Herausforderungen. Diesen ungewöhnlichen Supernovae ist dieser Teil 2 gewidmet.

Neue Computermodelle erklären Sternexplosionen: Kernkollaps-Supernovae – Teil 1Hans-Thomas Janka6/2023Seite 274

Neue Computermodelle erklären Sternexplosionen: Kernkollaps-Supernovae – Teil 1

Open Access

Massereiche Sterne können am Ende ihres Lebens als Supernova explodieren, während ihr Kern zu einem Neutronenstern oder Schwarzen Loch kollabiert. Stetig verbesserte Computermodelle und die Entdeckung seltener Arten von Explosionen eröffnen immer tiefere Einblicke in die komplexen Phänomene beim Sternentod. Teil 1 widmet sich dem neutrinogetriebenen Explosionsmechanismus.
Die Montage zeigt den Supernova-Überrest Cassiopeia A im breiten Spektrum Gamma- (violett) bis Radiobereich (orange). Bild: NASA/DOE/Fermi LAT Collaboration, CXC/SAO/JPL-Caltech/Steward/O. Krause et al., NRAO/AUI.

Atmosphäre in BrandMichael Wiescher und Karlheinz Langanke10/2023Seite 17DPG-Mitglieder

Atmosphäre in Brand

Ein Los Alamos Laboratory Report von 1946 behandelt die Frage, ob eine
atomare Explosion die Atmosphäre entzünden könnte.

Heliumbrennen auf Weißem Zwerg entdeckt: AstrophysikJochen Greiner, Klaus Werner4/2023Seite 166

Heliumbrennen auf Weißem Zwerg entdeckt: Astrophysik

Full Access

Ein Weißer Zwergstern kann als Supernova explodieren, wenn seine Masse die Chandrasekhar-Grenze von etwa 1,4 Sonnenmassen überschreitet. In der Großen Magellanschen Wolke wurde nun ein Doppelsternsystem gefunden, in dem Materie von dem Begleiter des Weißen Zwergs auf diesen überströmt und auf seiner Oberfläche durch Kernbrennen reichlich sogenannte superweiche Röntgenstrahlung aussendet. Ungewöhnlich daran ist, dass nicht wie in bisher gefundenen superweichen Röntgenquellen Wasserstoff überströmt und verbrennt, sondern Helium.

Neutrinosuche im UntergrundStefan Söldner-Rembold9/2023Seite 47DPG-Mitglieder

Neutrinosuche im Untergrund

In South Dakota entsteht derzeit eines der ehrgeizigsten Neutrinoexperimente.

In einem ehemaligen Goldbergwerk in den Black Hills in South Dakota, USA, haben die Arbeiten zum Deep Underground Neutrino Experiment (DUNE) begonnen. Um die Kavernen für die Detektormodule zu schaffen, sind 800 000 Tonnen Gestein zu bewegen – mehr als 70 Prozent davon ist geschafft. DUNE ist das bisher größte internationale Wissenschaftsprojekt auf US-amerikanischem Territorium, mit Partnern aus über 30 Ländern, darunter zahlreiche europäische Länder und das CERN.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird das DUNE-Experiment 2030 die ersten Daten liefern – hundert Jahre nachdem Wolfgang Pauli die Existenz von Neutrinos als „verzweifelten Ausweg“ postulierte, um das Problem des kontinuierlichen Energiespektrums im β-Zerfall zu lösen. Es dauerte 26 Jahre, bis Frederick Reines und Clyde L. Cowan der erste experimentelle Nachweis von Neutrinos mithilfe von Reaktoren gelang. Eine neue Generation gigantischer Neutrino-Observatorien soll nun helfen, die rätselhafte Rolle dieser Teilchen im Universum zu verstehen. So könnten Neutrinos den Schlüssel dazu liefern, warum im Universum Materie über Antimaterie dominiert. Neutrinos sind zudem wichtige Boten astrophysikalischer Ereignisse: Eine Supernova emittiert mehr als 99 Prozent ihrer Energie über Neutrinos, und Neutrinoflüsse von 1011 Neutrinos pro Sekunde und Quadratzentimeter erreichen uns von Fusionsreaktionen in der Sonne. (...)

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Den Dunklen Sektor im VisierBelina von Krosigk9/2023Seite 61DPG-Mitglieder

Den Dunklen Sektor im Visier

Die direkte Suche nach Dunkler Materie lässt sich dank neuer theoretischer Ansätze ausweiten.

Die ungeklärte Identität der Dunklen Materie ist eines der größten Rätsel der modernen Physik. Weltweit suchen Experimente unter anderem nach direkten Wechselwirkungen zwischen potenziellen Teilchen der Dunklen Materie und einem Detektormaterial. Im Fokus dieser direkten Suchen stehen seit rund vierzig Jahren Weakly Interacting Massive Particles: Diese WIMPs konnten in ihrer ursprünglichen Definition die gesamte Dunkle Materie im Universum beschreiben. Die Tatsache, dass sich solche Teilchen bisher nicht finden ließen, führte in den vergangenen Jahren zu einem Paradigmenwechsel durch die Einführung des sogenannten Dunklen Sektors.

Dunkle Materie (DM) ist eine unsichtbare Substanz, die den Großteil der Materie im Universum ausmacht. Im Gegensatz zu der uns vertrauten sichtbaren Materie, zu der alles von kleinsten Teilchen wie Elektronen bis hin zu Planeten und Sternen gehört, absorbiert, reflektiert oder emittiert die Dunkle Materie kein Licht − daher ihr Name. Jede Sekunde sollten unzählige Teilchen Dunkler Materie durch unseren Körper strömen, ohne dass wir sie wahrnehmen. Ihre Existenz zeigt sich bislang ausschließlich durch gravitative Effekte, für die es bereits im späten 19. Jahrhundert erste Indizien gab. Wegweisende Belege lieferten im 20. Jahrhundert unter anderem die von Vera Rubin in den 1970er-Jahren gemessenen Rotations geschwindigkeiten einzelner Spiralgalaxien [1]. Ent gegen der Erwartung aus dem zweiten Keplerschen Gesetz nehmen die Rotationsgeschwindigkeiten der Sterne mit der Entfernung vom galaktischen Zentrum nicht ab, sondern bleiben nahezu konstant. Diese Beobachtung lässt sich damit erklären, dass die Galaxien in einer Wolke aus Dunkler Materie eingebettet sind. Dann schließen die Umlaufbahnen mehr Masse ein, als sichtbar ist. Im Laufe der Jahre haben weitere Beweise die Existenz der Dunklen Materie bestätigt. Eine präzise Vermessung der kosmischen Mikro wellenhintergrundstrahlung durch den Planck-Satelliten legt den Anteil der kalten (also nichtrelativistischen) Dunklen Materie auf etwa 85 Prozent aller Materie im Universum fest [2]. (...)

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Signale aus der EbeneAnna Nelles9/2023Seite 26DPG-Mitglieder

Signale aus der Ebene

Mit dem IceCube-Detektor ist es erstmals gelungen, Neutrinos aus der galaktischen Ebene nachzuweisen.

Michael Schlüter, TU Hamburg7/2023Seite 12DPG-Mitglieder

DFG: Neue Sonder­forschungsbereiche

1/2023Seite 22

Research with beams of highly charged ions

Die Frage des BrennstoffsJan-Uwe Ness5/2023Seite 20DPG-Mitglieder

Die Frage des Brennstoffs

Kürzlich wurde sogenanntes Heliumbrennen auf einem Weißen Zwergstern entdeckt.

Das neue Bild der MilchstraßeStefan Jordan4/2023Seite 24DPG-Mitglieder

Das neue Bild der Milchstraße

Die Gaia-Mission der Europäischen Weltraumorganisation kartiert seit 2014 unsere Galaxis.

Die Gaia-Mission ist eine Erfolgsgeschichte und liefert einen umfangreicheren und genaueren Blick auf die Milchstraße als je zuvor. Die Beobachtungsdaten zeigen nicht nur faszinierende Einsichten in die Entwicklungsgeschichte unserer Galaxis, sondern sind für alle Bereiche der Astrophysik relevant.

Unser Sonnensystem befindet sich in der Milch­straße, einer Spiralgalaxie, die aus rund 200 Milliarden Sternen besteht. Sie hat einen Durchmesser von ungefähr 100 000 Lichtjahren, und ihr Zentrum ist etwa 26 000 Lichtjahre von uns entfernt. Weil wir uns inmitten der Milchstraße befinden, fällt es schwer, die räumliche Struktur unserer Galaxie zu erforschen – vor allem, weil es dazu nötig ist, die Entfernung von Sternen mit extrem präzisen Messinstrumenten zu bestimmen. Ein wichtiger Fortschritt ließ sich mit dem Astrometrie-Satelliten Hipparcos erzielen, der zwischen 1989 und 1993 mehr als 100 000 Sterne der Milchstraße mit hoher Genauigkeit vermessen hat und dadurch unser Wissen über die Sterne und die Dyna­mik der Milchstraße erweiterte.

Nach dem großen Erfolg von Hipparcos kam die Idee auf, einen Nachfolger zu bauen, der in der Lage sein sollte, zehntausendmal mehr Sterne mit einer bis zu 50-fach höheren Genauigkeit zu vermessen. Was die Zahl der Sterne angeht, hat Gaia [1] dieses Ziel mit dem neuesten und dritten Sternkatalog (Data Release 3) bereits übertroffen, der Daten für 1,8 Milliarden Sterne enthält [2, 3]. (...)

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Alexander Pawlak2/2023Seite 6DPG-Mitglieder

Die kosmische Kuppel-Show

Physik-Preise 20231/2023Seite 47DPG-Mitglieder

Physik-Preise 2023

Laudationes auf die Preisträgerinnen und Preisträger der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Dichter Materie auf der SpurAchim Schwenk und Ingo Tews12/2022Seite 28DPG-Mitglieder

Dichter Materie auf der Spur

Die Beobachtung von Gravitationswellen hilft dabei, die nukleare Zustandsgleichung zu untersuchen.

Bei der Supernova-Explosion eines massiven Sterns kann ein Neutronenstern entstehen, der aus der dichtesten beobachtbaren Materie im Universum besteht. Wenn in einem Doppelsternsystem zwei Neutronensterne kollidieren und verschmelzen, lassen sich Gravitationswellen und elektromagnetische Strahlung nachweisen. Diese ermöglichen es zusammen mit anderen Neutronensternbeobachtungen, die nukleare Zustandsgleichung und damit die Physik der starken Wechselwirkung in einem interdisziplinären Forschungsansatz zu untersuchen.

Als vor 130 Millionen Jahren in der Kreidezeit die Dinosaurier auf der Erde herrschten und die heutigen Kontinente allmählich auseinanderdrifteten, ereignete sich in der fernen Galaxie NGC 4993 ein faszinierendes Naturschauspiel: Zwei Neutronensterne verschmolzen miteinander. Neutronensterne wurden 1967 von Jocelyn Bell Burnell entdeckt. Als Endstadium des Lebenszyklus von Sternen mit einer Masse zwischen 8 und 25 Sonnenmassen (M⊙) entstehen sie in gewaltigen Supernova-Explosionen [1] – leichtere Sterne enden als Weiße Zwerge, schwerere kollabieren zu Schwarzen Löchern. Typische Neutronensterne haben eine Masse von 1,4 M⊙, komprimiert in einem kompakten Objekt mit einem Radius von etwa zwölf Kilometern. Daraus ergibt sich eine mittlere Dichte in der Größenordnung der Kernsaturierungsdichte von 2,7 · 1014 g/cm3: Dichter lassen sich Neutronen und Protonen in Atomkernen nicht zusammenpacken. Aufgrund der Gravitation können im Zentrum von Neutronensternen sogar Werte von 1015 g/cm3 auftreten. In Neutronensternen ist aber nicht nur die Materie unglaublich dicht gepackt. Sie weisen die stärksten bekannten Magnetfelder auf, rotieren mit Frequenzen von bis zu 1 kHz, und ihre Kruste stellt das härteste Material im Universum dar [2]. In vielerlei Hinsicht liegt dort die extremste Form von Materie vor, die sich direkt beobachten lässt.
Aus der hohen Dichte resultieren extreme Gravitationsfelder, welche die Newtonsche Gravitationstheorie nicht mehr beschreiben kann: In Neutronensternen gelten die Gesetze der Allgemeinen Relativitätstheorie. Um die Eigenschaften von Neutronensternen zu berechnen, ist es notwendig, die Gleichungen von Richard C. Tolman, J. Robert Oppenheimer und George M. Volkoff (TOV-Gleichungen) zu lösen. Als einziger Input dient die Zustandsgleichung (Infokasten): Sie beschreibt, wie sich der Druck P(є,T ) der Materie als Funktion von Energiedichte є und Temperatur T verhält. Die Lösung der gekoppelten TOV-Differentialgleichungen ergibt den Druck- und Dichteverlauf im Neutronenstern und so den Radius als Funktion der Masse, die Masse-Radius-Beziehung. (...)

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6/2022Seite 1

Physik in unserer Zeit 6/2022

Sechster IPCC-Bericht

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Bei zunehmender Erwärmung könnte sich der artenreiche tropische Regenwald wie hier am Amazonas von einer Kohlendioxid-Senke zu einer Kohlendioxid-Quelle entwickeln. Bereits heute sind viele dieser ökologisch immens wichtigen Waldgebiete von Abholzung und Versteppung bedroht (Bild: D. Eidemüller).

Editorial

Free Access

Eindeutiger als eindeutig

Stefan Brönnimann

Inhalt: Physik in unserer Zeit 6/2022

Treffpunkt Forschung

Verschränkte Atome über 33 km Glasfaserstrecke: Quantentechnologie

Matthias Bock,  Christoph Becher,  Florian Fertig,  Tim van Leent

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Quantennetzwerke ermöglichen sichere Kommunikation, verteiltes Quantencomputing und verbesserte Sensoren und Atomuhren. In einem gemeinsamen Experiment der LMU München und der Universität des Saarlandes ist es nun gelungen, zwei Quantenspeicher – in diesem Fall einzelne gefangene Atome – über eine Glaserfaserstrecke von 33 km miteinander zu verschränken.

Galaktische Protonenkanone: Astroteilchenphysik

Henrike Fleischhack,  Petra Huentemeyer

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Schon lange wird nach Pevatronen gesucht, kosmischen Teilchenbeschleunigern, die subatomare Teilchen auf extreme Energien im Bereich von Petaelektronenvolt beschleunigen. Nun gelang der Nachweis, dass der Supernovaüberrest SNR G106.3+2.7 solch ein Pevatron enthält.

Extragalaktische Neutrinofabriken: Astroteilchenphysik

Sara Buson,  Lenz Oswald,  Leonard Pfeiffer,  Alessandra Azzollini

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Blazare wurden schon lange als Quelle hochenergetischer Neutrinos vermutet, welche die Erde aus kosmischen Distanzen erreichen. Unsere Gruppe an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat dies erstmals nachgewiesen.

Physics News

Die Struktur der Atome entschlüsselt: Physik-Nobelpreis vor hundert Jahren

Manfred Jacobi

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Der Physik-Nobelpreis des Jahres 1922 ging an Niels Bohr „für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung“.

Artikel

Verschränkung: vom Spuk zum Werkzeug: Physik-Nobelpreis 2022

Markus Aspelmeyer

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Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an die Experimentalphysiker John Clauser, Alain Aspect und Anton Zeilinger für ihre bahnbrechenden Arbeiten mit verschränkten Photonen.

Open Access

Im Maschinenraum des neuen IPCC-Berichts: Der 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats

Jochem Marotzke

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Der jüngst veröffentlichte 6. Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC konnte einige zentrale Aussagen zum vergangenen und künftigen menschengemachten Klimawandel in bislang nie dagewesener Deutlichkeit tätigen. Dies wurde durch die weltweite Zusammenarbeit in der Klimaforschung möglich und baut ganz wesentlich auf den Erkenntnissen auf, für die Klaus Hasselmann und Syukuro Manabe im Jahr 2021 mit dem Physiknobelpreis geehrt wurden.

Open Access

Licht in Form gebracht: Strukturiertes Licht – von Kaustiken zu Lichtknoten

Ramon Droop,  Daniel Ehrmanntraut,  Eileen Otte,  Cornelia Denz

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Bei vielen aktuellen technologischen Herausforderungen – von medizinischen Entwicklungen über Umwelt- und Klimaschutz bis hin zu Quantencomputern – spielt Licht eine wichtige Rolle, als effektives Werkzeug, multifunktionaler Sensor oder präzises Analyseinstrument. Dazu müssen seine Freiheitsgrade maßgeschneidert werden. Die Erforschung der vielfältigen Formen, in die Licht strukturiert werden kann, ist ein Teilgebiet der Photonik und ermöglicht zahlreiche neue Anwendungen.

Magazin

Origineller Doppelschatten: Im Blickwinkel

Hans Joachim Schlichting

Normalerweise treten so viele Schatten eines Gegenstands auf, wie Lichtquellen vorhanden sind, die diesen aus unterschiedlichen Richtungen beleuchten. Diese physikalische Gewissheit könnte im folgenden Beispiel arg in Zweifel gezogen werden – allerdings nur auf den ersten Blick.

Unterrichtskonzeptionen für den Physikunterricht.

Patrik Vogt

Artikel

Open Access

Massereiche Sterne als Geburtshelfer: Das SOFIA-Beobachtungsprogramm FEEDBACK

Nicola Schneider,  Jürgen Stutzki

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Seit 2019 beobachtete das deutsch-amerikanische Stratosphärenteleskop SOFIA im Rahmen des FEEDBACK-Programms galaktische Sternentstehungsgebiete in der Spektrallinie des ionisierten Kohlenstoffes (C+). Mit Hilfe dieser Beobachtungen wird der Einfluss von massereichen Sternen auf das interstellare Medium untersucht.

Flirrende Lichtspiele: Das kinetische Objekt Toroflux von Jochen Valett, Teil 2

Wilfried Suhr,  Hans Joachim Schlichting

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Ein rotierender Toroflux erzeugt verschiedene interessante visuelle Strukturen, die sich auf physikalische und wahrnehmungstheoretische Effekte zurückführen lassen. Ursachen sind die schnelle Bewegung und die gegenseitige Abdeckung der Stahlbänder.

Open Access

Nichtlineare Optik mit einzelnen Photonen: Quantenoptik in Rydberg-Systemen

Stephan Dürr

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Eine Wechselwirkung zwischen einzelnen Photonen herzustellen, ist traditionell schwierig. Für dieses Problem bietet die RydbergBlockade eine neue, vielversprechende Methode. Dadurch entstehen zahlreiche interessante Anwendungsmöglichkeiten.

Magazin

Resonanz und Zersingen von Weingläsern: Physik im Weinkeller

Patrik Vogt,  Lutz Kasper

Nicht selten wird behauptet, dass Personen mit ausgebildeter Stimme in der Lage seien, Gläser zu zersingen. Im Internet kursieren zahlreiche Videos, die uns dies ebenfalls weismachen möchten. Die häufig mitgelieferte physikalische Erklärung ist dabei durchaus plausibel.

Instrumentalklang mit WavePad untersuchen: Smarte Physik

Patrik Vogt,  Jochen Kuhn,  Thomas Wilhelm

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Oszilloskop-Apps, doch auch der Audio-Editor WavePad lässt sich als Speicheroszilloskop einsetzen. Er bietet zwei Vorteile: Die Aufnahmezeit ist nicht auf einen Sekundenbruchteil begrenzt, und das Audiosignal lässt sich vielfältig bearbeiten.

Bücher

Karl-Heinz Lotze

„Wir sind verschwenderisch in Sachen Treibstoff …“

Historisches Rätsel

Andreas Loos

Der Gesuchte war ein hochbegabter Erfinder, vom Sprechapparat über Sprachübertragung bis zur Lösung unserer Energieprobleme.

Treffpunkt TV

Brechts Leben des Einstein: Physik & Literatur

Klaus Mecke

Physik und Literatur brauchen einander, da die Welt nicht nur selbstlos erkannt, sondern auch zum Guten gewendet werden will. Brecht entwickelt hierfür ein experimentelles Theater aus dem analytischen Geist der Physik.

Free Access

Vorschau auf Heft 1/2023

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Geheimnisvolle AusbrücheJochen Greiner11/2022Seite 29DPG-Mitglieder

Geheimnisvolle Ausbrüche

Die gleichzeitige Beobachtung von Gammablitzen und Gravitationswellen stellt unser Wissen über die Eigenschaften der Jets bei den Strahlungsausbrüchen infrage.

Obwohl Jets in verschiedenen astrophysikalischen Szenarien auftreten, ist bisher wenig über die zugrundeliegenden Mechanismen bekannt. Ihre schnelle zeitliche Variation bei Gammablitzen könnte es erlauben, die Struktur und den Emissionsmechanismus besser zu verstehen. Die Multimessenger-Beobachtungen des Gammablitzes GRB 170817A haben erste Einblicke gewährt und an bestehenden Modellen gerüttelt.

Um zu verstehen, wie ein astrophysikalischer Jet funktioniert, gilt es zunächst, seinen Erzeugungsmechanismus zu entschlüsseln. Außerdem stellen sich die Fragen, wie die Beschleunigung auf nahezu Lichtgeschwindigkeit und die Kollimation erfolgen, was seine innere geometrische Struktur ausmacht und welcher Mechanismus der Strahlungsemission zugrundeliegt. Um diese zu beantworten, scheinen die Jets bei Gammablitzen deutlich besser geeignet als diejenigen aus dem Kern Aktiver Galaxien: Während letztere sich auf Zeitskalen von vielen Jahren entwickeln, variieren Gammablitze deutlich schneller. Im Folgenden zeigt das Beispiel von GRB 170817A, wie neue Untersuchungen unseren Blick auf die Jets von Gammablitzen verändert haben. Zukünftig sollte die gleichzeitige Beobachtung von Gammablitzen und Gravitationswellen klären, ob es sich dabei um einen Einzelfall handelt oder einen deutlichen Fortschritt im allgemeinen Verständnis.

Gammablitze (engl. Gamma-Ray Bursts, GRBs) stellen die stärksten beobachteten Ausbrüche von elektromagnetischer Strahlung dar: Sie geben binnen einer Sekunde so viel Energie ab wie unsere Sonne während ihrer gesamten Lebensdauer von rund zehn Milliarden Jahren. Wenn die Elektronen in den Schockwellen dieser Ausbrüche mit der umgebenden Materie wechselwirken, entsteht ein Nachleuchten, das mehrere Tage als Röntgenstrahlung, im optischen Bereich und als Radiowellen sichtbar ist. Aufgrund ihrer Dauer und Ursache unterscheidet man zwei Arten von Gammablitzen (Abb. 1). „Lange“ Ausbrüche erzeugen Blitze, die typischerweise zehn bis hundert Sekunden anhalten und bei der Supernova-Explo­sion massereicher Sterne entstehen. Die Beobachtung von zwei Dutzend Ausbrüchen in geringer Entfernung zu uns belegt dies durch den Nachweis optischen Lichts der Supernova etwa acht bis zehn Tage nach dem Gammablitz [1]. Massereiche Sterne werden nur einige Millionen Jahre alt – im Gegensatz zu unserer Sonne. Daher treten die Strahlungsausbrüche relativ schnell nach der Entstehung des Muttersterns auf. Da massereiche Sterne häufig in Gruppen vorkommen, zeichnen sich die Muttergalaxien langer Ausbrüche wegen der vielen anderen jungen, heißen Sterne durch eine blaue Farbe und eine hohe Sternentstehungsrate aus. Lange Blitze lassen sich bis an den „Rand des Universums“ beobachten: Sie gehören zu den am weitesten entfernten bekannten Objekten. In den vergangenen zehn Jahren dienten sie in der Kosmologie dazu, die Entstehung der ersten Sterne und Galaxien zu untersuchen. (...)

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5/2022Seite 1

Physik in unserer Zeit 5/2022

Titelbild

Free Access

Spezial: Röntgenlaser-Forschung

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Der Freie-Elektronen-Laser European XFEL ist die derzeit stärkste künstliche Röntgenquelle, die der Forschung zur Verfügung steht. Seine Tunnelanlage erstreckt sich unterirdisch vom DESY-Gelände in Hamburg 3,4 km weit bis nach Schenefeld. Mit seinen ultrastarken Röntgenblitzen lässt sich zum Beispiel die biochemische Funktionsweise von Proteinen in Einzelschritt-Bildern ablichten, die zu „Molekülfilmen” zusammengesetzt werden. Für ein solches Biophysik-Projekt arbeitet hier Tokushi Sato an der Probenkammer des SPB/SFX-Instruments in Schenefeld (Copyright: European XFEL).

Editorial

Im Slalom durch bewegte Zeiten – der European XFEL

Winfried Decking

Inhalt: Physik in unserer Zeit 5/2022

Treffpunkt Forschung

Vierwellenmischung im extremen UV: Nichtlineare Spektroskopie

Horst Rottke, Daniel Schick, Stefan Eisebitt

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Freie-Elektronen-Laser verschieben zunehmend die Grenzen der nichtlinearen Spektroskopie bis in den Bereich der Röntgenstrahlung. Wir haben damit exemplarisch an einem Lithiumfluorid-Kristall die nichtlinearen Prozesse der Summen- und Differenzfrequenzmischung und sich daraus ergebende neue Möglichkeiten zur spektroskopischen Charakterisierung von Festkörpern untersucht.

Universeller Transport von Quantenmagneten: Quantenvielteilchenphysik

Johannes Zeiher, David Wei

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Quantenphänomene werden üblicherweise mit ungewöhnlichen Eigenschaften wie dem Wellencharakter von Teilchen oder der Verschränkung assoziiert. Einem Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik und von der University of California in Berkeley gelang nun in einem Quantensimulator die interessante Beobachtung, dass sich Quantenmagnete unter speziellen Bedingungen mathematisch analog zu klassischen Phänomenen wie sich ausbreitenden Kaffeeflecken oder Buschfeuern verhalten können.

Druck zählt!
Hochdruckphysik

Natalia Dubrovinskaia, Leonid Dubrovinsky

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Extrem hohe statische Drücke von bis zu einem Terapascal ermöglichen die Bildung neuartiger Verbindungen mit besonderen Eigenschaften. Mit einer doppelstufigen Diamantstempelzelle ist es unserem Team an der Universität Bayreuth nun gelungen, in diesen Druckbereich vorzudringen und dabei In-situ-Analysen des Materialverhaltens durchzuführen.

Physics News

Artikel

Open Access

Freie-Elektronen-Laser bringen Licht in den Auger-Prozess: Elektronendynamik im Röntgenblick

Markus Ilchen, Wolfram Helml, Michael Meyer, Reinhard Kienberger

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Der Auger-Effekt ist ein fundamentaler Prozess, bei dem Energie in Materie durch Abgabe von Elektronen umverteilt wird. Experimente an Röntgenlasern machen es nun möglich, diesen bedeutsamen Effekt in bisher unerforschten Zuständen der Materie und mit extremer Zeitauflösung zu untersuchen.

Gefilmte Proteindynamik: Zeitaufgelöste Strukturanalyse mit ultrakurzen Röntgenpulsen

Marius Schmidt

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Proteine gehören zu den faszinierenden Bausteinen des Lebens. Als Makromoleküle sind sie einerseits besonders groß, andererseits besitzen sie eine definierte dreidimensionale Architektur. Diese Struktur bestimmt ihre Funktion. Die Erforschung des Zusammenspiels von beiden Eigenschaften ist unverzichtbar, um Lebensprozesse in der Biologie zu verstehen und um Krankheiten mit neuen Verfahren bekämpfen zu können.

Open Access

Zweistimmiges Solo: Physik des Obertongesangs

Leopold Mathelitsch, Ivo Verovnik

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Obertonsingen beeindruckt unmittelbar, denn ein Mensch scheint mit zwei verschiedenen Stimmen zu singen. Ist das tatsächlich so, und wie funktioniert das?

Open Access

Von Eisen bis Blei und zu den Aktiniden: Ursprung der Elemente – Teil 2

Friedrich-Karl Thielemann

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Der zweite Teil unserer Serie zur kosmischen Nukleosynthese behandelt die Entstehung schwerer und sehr schwerer Elemente. Außerdem betrachten wir Typ-Ia-Supernovae, die auch einen Beitrag zu leichteren Elementen von Si bis hin zu Fe und Ni liefern.

Verschlungen wirbelnder Torus: Das kinetische Objekt Toroflux von Jochen Valett, Teil 1

Wilfried Suhr, Hans Joachim Schlichting

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Ein aus einem Stahlband geknüpftes, torusartiges Objekt rollt, durch die eigene Gewichtskraft angetrieben, an einem Stab herab. Hinter diesem einfach anmutenden Vorgang verbirgt sich ein äußerst interessantes visuelles und physikalisches Geschehen.

Magazin

Eiskalter Einblick ins Gehirn: Vor 50 Jahren

Thomas Middelmann, Tilmann Sander-Thömmes

Mit supraleitenden Quantensensoren (SQUIDs) konnten vor 50 Jahren erstmalig einzelne Gehirnsignale magnetisch aufgezeichnet werden. Heute wird die Magnetoenzephalographie (MEG) durch optische Quantensensoren (OPM) erneut revolutioniert.

Die Stunde der Physiker: Einstein, Bohr, Heisenberg und das Innerste der Welt

Julia Bloemer

„Kann eine Frau Privatdozentin werden?“

„Wir bitten nur um Dispens für den vorliegenden einzigartig liegenden Fall“ – die Habilitation Emmy Noethers

David E. Rowe

Neutrinoastronomie ― Blick in verborgene Welten

Michael Wurm

The Exodus Incident. A Scientific Novel

Karlheinz Steinmüller

Fettflecken untersuchen mit Graphical Analysis: Smarte Physik

Lisa Stinken-Rösner, Thomas Wilhelm, Jochen Kuhn

Warum sind Fettflecken auf Papier durchsichtig? Dieses physikalische Phänomen kann man mit Licht- und Farbsensoren untersuchen, die über die App Graphical Analysis von Computern, Tablets oder Smartphones aus ansteuerbar sind.

Turm der Farben: Im Blickwinkel

Hans Joachim Schlichting

Durch eine Art physiologischen Weißabgleich tendiert die visuelle Wahrnehmung dazu, die Farbe des Lichts überwiegend als weiß anzusehen. Das funktioniert aber nicht immer.

Für alles eine App

Raimund Girwidz

Erfinder von Zukünften: Historisches Rätsel

Andreas Loos

Vom erfinderischen Ingenieur und angewandten Physiker wird der Gesuchte zum Zukunftsmahner.

Treffpunkt TV

Buffons Stil der Naturgeschichte: Physik & Literatur

Klaus Mecke

Der Stil wissenschaftlichen Schreibens ist nicht eine ausschmückende Form, sondern Ausdruck des Denkens und offenbart die Weise, wie Wissenschaft verstanden wird.

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Vorschau auf Heft 6/2022

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Alexander Pawlak9/2022Seite 17DPG-Mitglieder

Vergangener Blick für die Zukunft gesichert

Umfangreiche Bestände historischer Astronomie-Aufnahmen sind nun vollständig digitalisiert.

KIT / Anja Hauck9/2022Seite 17DPG-Mitglieder

Energiesparend beschleunigen

Ein neues Testfeld am Karlsruher Institut für Technologie soll zur Verbesserung der Energieeffizienz in großen Forschungsinfrastrukturen beitragen.

Photo
06.07.2022 • Rezension

Neutrinoastronomie

Christian Spiering: ­Neutrinoastronomie – Blick in verborgene Welten, Springer, Berlin, Heidelberg, 2022, brosch., XII + 203 S., 22,99 Euro, ISBN 9783662632932

Karl-Heinz Kampert7/2022Seite 54DPG-Mitglieder

Christian Spiering: ­Neutrinoastronomie – Blick in verborgene Welten

Kerstin Sonnabend7/2022Seite 54DPG-Mitglieder

Aeneas Rooch: Die Entdeckung der Unendlichkeit

Kontroverse um eine KonstanteBruno Leibundgut7/2022Seite 23DPG-Mitglieder

Kontroverse um eine Konstante

Verschiedene Messungen liefern unterschiedliche Werte für die Hubble-Konstante: ein ewiges Problem der Kosmologie?

Wir leben in einem dynamischen, expandierenden Universum. Die Beobachtung, dass die Radialgeschwindigkeit kosmischer Objekte mit ihrer Entfernung zunimmt, stellt eine der Säulen des kosmologischen Modells eines heißen Urknalls dar. Die anderen sind die Mikrowellen-Hintergrundstrahlung und die Häufigkeiten leichter Elemente: Damit Deuterium, Helium und Lithium aus Wasserstoff fusionieren, muss es eine sehr heiße Phase gegeben haben, die heute als Mikrowellen-Hintergrund beobachtet wird. Wenige Parameter reichen aus, um die Eigenschaften des expandierenden Universums zu beschreiben. Seine energetischen Inhalte bestimmen die Ausdehnung, und die momentane Ausdehnungsrate, die Hubble-Konstante, ist einer der wichtigsten Parameter. Im nahen Universum folgt sie dem Hubble-Lemaître-Gesetz; mit einem kosmologischen Modell ergibt sie sich aus der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung.

Mit der Annahme von räumlicher Homogenität und Isotropie (Robertson-Walker-Metrik) lassen sich die Einsteinschen Feldgleichungen auf die Friedmann-Gleichung reduzieren, um das beobachtbare Universum zu beschreiben. Die Friedmann-Gleichung gibt die kosmische Ausdehnung als Funktion von Hubble-Konstante, Raumkrümmung und den mittleren Energiedichten an. Letztere bestimmen die Dynamik der Expansion, zum Beispiel erzeugt eine höhere Materiedichte eine stärkere Abbremsung. Die Hubble-Konstante skaliert die kosmologischen Modelle und somit das absolute Alter des Universums.

Während der letzten zwei Jahrzehnte hat sich ein Modell des Universums mit einigen erstaunlichen Eigenschaften etabliert. Zusätzlich zur Strahlung, deren Energiedichte aufgrund der niedrigen Temperatur des Mikrowellenhintergrundes heute vernachlässigbar klein ist, und der „normalen“ (baryonischen) Materie, die etwa fünf Prozent der Gesamtenergie ausmacht, braucht es zwei „dunkle“ Komponenten, um die Beobachtungen zu erklären. Ein Großteil der Materie interagiert nur durch die Gravitation mit dem Rest der Welt: Diese Dunkle Materie macht etwa ein Viertel der Energie im Universum aus. Da die kosmische Expansion heute beschleunigt ist, sollte es eine zusätzliche, abstoßend wirkende Energiekomponente geben. Eine mögliche Erklärung dieser Dunklen Energie steckt in Einsteins kosmologischer Konstante. Die Dunkle Energie dominiert heute den Energieinhalt des Universums mit einem Anteil von 70 Prozent. Dieses kosmologische Modell heißt ΛCDM, wobei Λ für die kosmologische Konstante steht und CDM für kalte Dunkle Materie (Cold Dark Matter). Mittlerweile gibt es aber Beobachtungen, die innerhalb des ΛCDM-Modells inkonsistent erscheinen. Am deutlichsten tritt dies bei der Hubble-Konstante zutage, für die sich unterschiedliche Werte durch Beobachtungen des frühen Universums und aus der lokalen Umgebung ergeben. Die Diskussion dieses als Hubble-Spannung (Hubble tension) bezeichneten Problems soll im Folgenden erläutert werden. (...)

 

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Vom Winde verwehtAndreas A. C. Sander5/2022Seite 28DPG-Mitglieder

Vom Winde verweht

Die Winde heißer Sterne verändern kosmische Strukturen und unser Bild vom Leben massereicher Sterne.

Neben Licht – oder allgemeiner: elektromagnetischer Strahlung – senden die Sterne am Nachthimmel auch einen Strom geladener Ionen aus, den Sternwind. Bei manchen Sternen fällt dieser so stark aus, dass sich der Lebensweg des Sterns fundamental verändert. Das gilt vor allem für heiße, massereiche Sterne: Ihr permanenter Massenverlust beeinflusst ihre unmittelbare Umgebung und stellt einen wichtigen Baustein im kosmischen Materiekreislauf dar. Sternwinde haben vermutlich einst unser Sonnensystem ermöglicht – sie beeinflussen die gesamte moderne Astrophysik.

Die Auswirkung eines besonderen Sternwinds lässt sich spektakulär in den Polar­regionen beobachten: Jedes Jahr zieht es zahlreiche Menschen in den hohen Norden, um Polarlichter zu sehen. Sie entstehen, wenn der Sonnenwind mit dem Erdmagnetfeld wechselwirkt. Der Sonnenwind ist der wohl am besten studierte Sternwind und − zum Glück für uns auf der Erde − auch einer der harmloseren. Lediglich zehn Billiardstel ihrer eigenen Masse (10–14 M⊙) gibt die Sonne pro Jahr als Sternwind ab. Das reicht aus, um Satelliten in Bedrängnis zu bringen, aber nicht, um das eigene Schicksal maßgeblich zu beeinflussen.

Der Wind heißer, massereicher Sterne fällt deutlich dramatischer aus: Typischerweise brauchen sie nur wenige Millionen Jahre, um eine Sonnenmasse in den Weltraum abzustoßen; bei besonders starken Winden passiert dies innerhalb von 10 000 bis 100 000 Jahren. Mit Effektivtemperaturen zwischen 10 000 und 60 000 K − teilweise sogar mehr als 100 000 K − sind diese Sterne um ein Vielfaches heißer als unsere Sonne mit ihren knapp 6000 K. Ein massereicher Stern ist bei seiner Entstehung mindestens achtmal so schwer wie die Sonne; die massereichsten Exemplare beginnen ihre Existenz mit weit über 100 Sonnenmassen. Durch den starken Sternwind geben sie allerdings einen signifikanten Anteil im Laufe ihrer Entwicklung an die Umgebung ab. Ist der Wind so stark, dass der Massenverlust auf einer vergleichbaren Zeitskala stattfindet wie die Fusionsprozesse im Sterninneren, beeinflusst der Wind die weitere Entwicklung des Sterns und kann zum Beispiel verhindern, dass sich der Stern zu einem Roten Überriesen aufbläht.

Der Wind massereicher Sterne ist wegen ihrer höheren Leuchtkraft deutlich ausgeprägter als bei unserer Sonne. Mit höherer Masse steigen Druck und Temperatur im Stern­inneren, sodass Fusionsprozesse schneller ablaufen: Die Leuchtkraft wächst überproportional im Verhältnis zur Sternmasse – und mit der Leuchtkraft skaliert der Strahlungsdruck. Während dieser für die Sonne und ihren Wind vernachlässigbar bleibt, stellt er für den Wind heißer, massereicher Sterne die alles entscheidende Größe dar, die den Gasdruck um ein bis zwei Größenordnungen übersteigt. (...)

 

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Radioquellen im KatalogJürgen Kerp5/2022Seite 20DPG-Mitglieder

Radioquellen im Katalog

Der LOFAR Two-Metre Sky Survey hat einen zweiten Datenkatalog veröffentlicht.

Was ist eine Computersimulation?Claus Beisbart4/2022Seite 35DPG-Mitglieder

Was ist eine Computersimulation?

Wissenschaftsphilosophische Überlegungen zu einer wichtigen Methode der Physik

Ob es um Quarks, Biomoleküle oder Supernovae geht – bei ihren Untersuchungen stützt sich die heutige Physik oft auf die Computersimulation. Anfängliches Unbeha-gen über die Methode oder der flaue Gag, damit werde wissenschaftliches Vorgehen bloß simuliert, sind längst passé. Doch welchen Beitrag leistet die Methode zur physikalischen Forschung und wie sind ihre Ergebnisse zu bewerten?

Fortschritt in der Physik lässt sich nicht bloß an neu­en Ergebnissen und Erkenntnissen festmachen, denn sie entwickelt sich auch methodisch weiter. Eine der spannendsten Neuerungen in dieser Hinsicht ist die Com­putersimulation (kurz: Simulation), die sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in immer mehr Teildisziplinen der Physik etabliert hat. Die Physiker Kurt Binder und Dieter W. Heer­mann sprechen in diesem Zusammenhang sogar von einer Revolution und behaupten, dass die Computersimulation die traditionelle Einteilung in experimentelle und theore­tische Physik obsolet macht ([1], S. 1). In jedem Fall wirft die neue Methode Fragen auf: Was tun wir eigentlich, wenn wir eine Computersimulation laufen lassen? Welchen Beitrag leistet sie zur physikalischen Forschung? In welchem Ver­hältnis steht die Computersimulation zu anderen Metho­den der Physik? Und wie glaubwürdig sind Simulationen?

Fragen wie diese beziehen sich nicht mehr auf die Ob­jekte physikalischer Forschung, sondern machen die Physik selbst zum Thema. Sie laden damit zu einer wissenschafts­philosophischen Diskussion über physikalische Methoden ein. In der Tat wird die Diskussion über die Simulation in der Wissenschaftsphilosophie seit zwei Jahrzehnten inten­siv geführt, z. B. [2, 3]. Dies wurde erforderlich, weil die Methode in den bisherigen Charakterisierungen des wis­senschaftlichen Vorgehens etwa durch Karl Popper, Tho­mas Kuhn oder auch die Bayesianische Erkenntnistheorie nicht vorkommt – zumindest nicht explizit. Hier möchte ich Einsichten aus der wissenschaftsphilosophischen Dis­kussion verwenden, um die oben genannten Fragen zu be­antworten. Dabei geht es teilweise auch um eine Bewertung von Simulationen. Ich starte jedoch mit einer Analyse des­sen, was unter der Bezeichnung „Simulation“ in der Praxis betrieben wird. (...)

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2/2022Seite 1

Physik in unserer Zeit 2/2022

Physik in unserer Zeit 53:2Titelbild

Spezial: Hochenergetischer Kosmos

Seit ihrer Urgeschichte haben Menschen den Nachthimmel mit ehrfürchtigem Staunen bewundert. Auch wenn ein Großteil des Nachthimmels unveränderlich erscheint, weiß man schon seit langer Zeit, dass einige der hellsten Objekte nur temporär am Himmel aufleuchten. Das gilt insbesondere für Supernovae, die nun auch neues Licht auf eines der ungelösten Rätsel der Astrophysik werfen. Denn der Ursprung der höchstenergetischen kosmischen Strahlungsteilchen ist unbekannt. Können sterbende massive Sterne eine der lang gesuchten Quellen sein?
Foto: B. Foucher

Editorial

Free Access

Das Universum mit Wumms

Marcus Brüggen

Inhalt: Physik in unserer Zeit 2/2022

Treffpunkt Forschung

Qubits aus dem Elektronenstrahl: Quantenphysik

Peter Baum

Mittels Laserlicht lassen sich die Elektronen in einem Elektronenstrahl in Qubits verwandeln. Diese Materiewellen aus einem der einfachsten Elementarteilchen eröffnen neue Möglichkeiten in der Quantenphysik. Außerdem entstehen extrem kontrastreiche Attosekunden-Elektronenimpulse für die filmische Abbildung von atomaren Reaktionen in Raum und Zeit.

Eine supraleitende Diode: Elektronik

Nicola Paradiso, Christoph Strunk

Halbleiterdioden sind elementare Bestandteile der Elektronik. Sie leiten Strom in einer Richtung sehr viel besser als in der entgegengesetzten und stellen somit Ventile für den elektrischen Strom dar. Sie dienen zur Gleichrichtung von Wechselströmen, zur Spannungsstabilisierung und für viele andere Anwendungen. Supraleitende Dioden könnten den Weg zu stromsparenden elektronischen Komponenten ebnen.

Ritt durch die Sonne: Sonnenforschung

Die NASA-Raumsonde Parker Solar Probe fliegt als erstes menschengemachtes Objekt durch die äußersten Schichten der Sonne und sendet dabei Bilder vom Innenleben ihrer Korona

Optisches Auslesen von Quantenbeats in Radikalpaaren: Spinchemie

Ulrich E. Steiner, Christoph Lambert

Ladungsgetrennte Radikalpaare (Charge-Separated Radical Pairs, CSRP) spielen eine zentrale Rolle in der photochemischen Energiekonversion, wie bei der Photosynthese oder in organischen Solarzellen. Mit einem neuen Verfahren lässt sich die Spinentwicklung solcher Paare optisch bestimmen.

Physics News

 

Artikel

Open Access

Mit eROSITA und eBOSS auf der Jagd nach Dunkler Materie und Energie: Kosmologie mit Röntgenstrahlung

Johan Comparat, Peter Predehl

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Das Röntgenteleskop eROSITA auf der russisch-deutschen Weltraummission SRG ist seit seinem Start im Juli 2019 extrem erfolgreich in der Kartographierung des Röntgenhimmels. In Kombination mit SDSS, einem optischen Teleskop in New Mexico, USA, kann man die Entwicklung der Materieverteilung im Universum mit hoher Präzision und über einen Zeitraum von vielen Milliarden Jahren messen. So will man einer Erklärung für die Existenz der rätselhaften Dunklen Materie und Dunklen Energie näherkommen.

Open Access

Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft: Teraelektronenvolt-Photonen aus Gammastrahlenausbruch

Andrew M. Taylor, Sylvia J. Zhu, Ruslan Konno, Stefan Ohm

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Seit ihrer Urgeschichte haben Menschen den Nachthimmel mit ehrfürchtigem Staunen bewundert. Auch wenn ein Großteil des Nachthimmels unveränderlich erscheint, weiß man schon seit langer Zeit, dass einige der hellsten Objekte nur temporär am Himmel aufleuchten. Das gilt insbesondere für Supernovae, die nun auch neues Licht auf eines der ungelösten Rätsel der Astrophysik werfen. Denn der Ursprung der höchstenergetischen kosmischen Strahlungsteilchen ist unbekannt. Können sterbende massive Sterne eine der lang gesuchten Quellen sein? Foto: B. Foucher

James Webb entfaltet und eingeparkt: Weltraumteleskop

Das Weltraumteleskop hat seine Zielposition, den Lagrangepunkt L2, erreicht. Nun folgen wochenlange Kalibrationen, bevor im Sommer die heiß ersehnten Beobachtungen beginnen.

Artikel

Open Access

Quantenrechnen mit Licht: Photonische Quantencomputer

Valeria Saggio, Philip Walther

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Optische Quantensysteme erweisen sich bei der Realisierung von Quantencomputern als höchst leistungsfähig. Die besonderen Eigenschaften von Photonen ließen sich bereits nutzen, um die Überlegenheit von Quantencomputern gegenüber herkömmlichen Rechnern erfolgreich zu demonstrieren. In speziellen Bereichen wie maschinellem Lernen und sicherem Datenprozessieren könnten sich solche Quantencomputer etablieren. Foto: USTC

Open Access

Schach auf dem Eis: Zur Physik des Curlings

Leopold Mathelitsch, Sigrid Thaller

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Curling ähnelt Sportarten wie Eisstockschießen oder Billard. In der Spielstrategie wird es mit Schach und Go verglichen. Es erfordert hohe Konzentration über einen langen Zeitraum und zudem viel Kraft. Vor allem birgt es ein bislang ungelöstes physikalisches Rätsel. © Robert Przybysz/stock.adobe.com

Invertierte Seifenblasen: Antibubbles

Wilfried Suhr

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Tropft Seifenlösung aus geringer Höhe in ein damit gefülltes Becken, so kann es beim Aufprall zur Einhüllung des Tropfens mit einem Luftfilm kommen. Das Ergebnis ist eine Antibubble, die mit silbrigem Glanz und zart schimmernden Interferenzfarben bezaubert. Mit Seifenblasen haben Antibubbles einiges gemeinsam, weil man sie als deren stoffliches Negativ auffassen kann.

Magazin

Mit Echo Meter auf Fledermauspirsch: Smarte Physik

Ann-Katrin Krebs, Lutz Kasper, Jochen Kuhn, Thomas Wilhelm

Ultraschalllaute von Fledermäusen lassen sich mit Fledermausdetektoren in für uns hörbare Frequenzen „übersetzen“. Solche Audioaufzeichnungen sind mit der vorgestellten App und einem Plug-in-Modul für Smartphones möglich, inklusive spektrografischer Auswertung.

Bücher

Aufstieg zu den Einsteingleichungen

Claus Kiefer

Astronomie und Universum

Eduard Thommes

Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft

Thomas Bührke

Techmax-Reihe

Thomas Sean Weatherby

Zwischen Amor und Atira: Erdnahe Asteroiden: Vor 50 Jahren

Matthias Meier

Magazin

Geschüttelt oder gerührt? – Geschleudert!
Physik im Weinkeller

Patrik Vogt, Lutz Kasper

Ein zu gut eingeschenktes Glas führt beim Tragen schnell zum Überschwappen des edlen Tropfens. Es gibt aber eine sportliche Lösung des Problems.

Historisches Rätsel

Photographie, Fluoreszenz und Phantome: Historisches Rätsel

Andreas Loos

Seine Neugier führte ihn zu wichtigen Entdeckungen in Chemie und Physik – aber auch zur Parapsychologie.

Treffpunkt TV

Arno Schmidts Berechnungen: Physik & Literatur

Klaus Mecke

Der Wort-Wissenschaftler Schmidt schafft ein „Wortall“, um form(el)-haft benamen und mit Schrecken rechnen zu können.

Free Access

Vorschau auf Heft 3/2022

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Extrem beschleunigendElisa Pueschel und Gernot Maier1/2022Seite 24DPG-Mitglieder

Extrem beschleunigend

Astrophysikalische Jets gelten als Quellen ultrahochenergetischer Strahlung und hochenergetischer Neutrinos.

Relativistische Plasmaströme oder „Jets“ treten in unter­schiedlichsten astrophysikalischen Umgebungen auf und besitzen stellare bis galaktische Dimensionen. Mit modernen Teleskopen lassen sie sich im gesamten elektromagnetischen Wellenlängenbereich bis zu Energien von einigen TeV beobachten. Offen bleiben derzeit Fragen zu den grundlegenden Aspekten der Beschleunigungsmechanismen. Außerdem ist unklar, welche astronomischen Objekte mit Jets effiziente Teilchen­beschleuniger sind.

Astrophysikalische Jets sind kollimierte, bipolare, relativistische Plasmaströme. Als universelles Phänomen der Astrophysik treten sie in Verbindung mit Akkretion von Materie auf kompakte Objekte auf. Damit sind Objekte hoher Dichte gemeint, z. B. Schwarze Löcher, Neutronensterne oder Weiße Zwerge. Physikalische Prozesse in Jets sowie deren Einfluss auf ihre Umgebung spielen in der Astrophysik eine wichtige Rolle, beispielsweise in der Entstehung von Galaxien [1]. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf Aspekte der Hochenergiephysik: die Emission hochenergetischer Photonen, Neutrinos und geladener Teilchen sowie den Ursprung hochenergetischer kosmischer Strahlung. Letztere besteht aus einzelnen Atomkernen mit Energien bis zu 1020 eV. Das entspricht der kinetischen Energie eines Tennisballs beim Aufschlag, komprimiert in einem um 40 Größenordnungen kleineren Volumen. Die Vorhersage, dass diese extreme Teilchenbeschleunigung in Jets aktiver galaktischer Kerne (AGN) stattfindet, ist bereits 40 Jahre alt. Heute erlauben es Beobachtungen sowie detaillierte theoretische Modelle, die verschiedenen physikalischen Prozesse in Jets zu verstehen. (...)

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Aktiv beteiligtChristoph Pfrommer12/2021Seite 42DPG-Mitglieder

Aktiv beteiligt

Bei der Entstehung von Galaxien spielt die kosmische Strahlung nicht nur eine passive Beobachterrolle, sondern greift direkt in das Geschehen ein.

Victor Hess entdeckte vor über hundert Jahren die kosmische Strahlung. Deren Studium ermöglichte seitdem viele bahnbrechende Entdeckungen, von denen einige mit Nobelpreisen ausgezeichnet wurden. Beispielsweise ist schon seit Mitte der 1970er-Jahre bekannt, dass die kosmische Strahlung galaktische Winde antreiben kann. Aber erst 2012 konnten dreidimensionale Simulationen von entstehenden Galaxien dies belegen [2]. Seitdem hat sich ein aktives Forschungsfeld herausgebildet, das die Plasma-Astrophysik1) mit der kosmologischen Strukturentstehung verknüpft, um die Galaxienentstehung zu verstehen und damit Probleme des Standardmodells der Kosmologie auf der Größenskala von Galaxien zu lösen.

In den letzten zwei Jahrzehnten etablierte sich mithilfe von Präzisionsmessungen des kosmischen Mikrowellenhintergrunds und von Supernovae des Typs Ia sowie mit Himmelsdurchmusterungen von Galaxien und Galaxienhaufen das Standardmodell der Kosmologie. Das daraus resultierende Paradigma – die ΛCDM-Kosmologie, d. h. kalte Dunkle Materie mit einer kosmologischen Konstanten Λ – beschreibt unser Universum sehr gut auf kosmologischen Skalen, die größer als 100 Millionen Lichtjahre sind. Die aktuelle Kontroverse um die Hubble-Konstante könnte eine leichte Modifikation des Standardmodells erzwingen, was aber in der kosmologischen Strukturentstehung eine untergeordnete Rolle spielen sollte. Das kosmologische Standardmodell enthält eine Reihe ungelöster Fragen. So postuliert es die Existenz von (i) Dunkler Materie, die nicht-baryonischen Ursprungs ist und hauptsächlich gravitativ mit der uns bekannten Materie wechselwirkt, und (ii) Dunkler Energie beziehungsweise der kosmologischen Konstanten. Das Modell ist zudem (iii) auf Skalen von Galaxien und Galaxienhaufen nicht vorhersagekräftig, da hier komplexe baryonische Physik eine wichtige Rolle spielt. Einfache Modelle der Galaxienentstehung gelangen an ihre Grenzen und können nicht alle Beobachtungsdaten erklären. (...)

 

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Unter BeobachtungMartin Pohl11/2021Seite 32DPG-Mitglieder

Unter Beobachtung

Seit zehn Jahren registriert und charakterisiert das Observatorium AMS-02 auf der Internationalen Raumstation die kosmische Strahlung.

Das Alpha Magnetic Spectrometer (AMS-02) befindet sich seit Mai 2011 auf der Traverse der Inter­nationalen Raumstation ISS. Das Detektorsystem hat seither 176 Milliarden Teilchen der kosmischen Strahlung in einer erdnahen Umlaufbahn registriert. Diese einzigartige Statistik wirft ein neues Licht auf den Ursprung der kosmischen Teilchen und ihren Weg von den Quellen bis ins Sonnensystem. Als unkonventionelle Quellen könnten auch die Dunkle Materie oder kleine Reste von Antimaterie zur kosmischen Strahlung beitragen.

Kosmische Strahlen bestehen aus hochenergetischen, elektrisch geladenen Teilchen, die aus kosmischen und astrophysikalischen Quellen stammen – die meisten aus unserer Milchstraße. Wenn sie mit einer Intensität von etwa einem Teilchen pro cm2 und Sekunde auf die Erdatmosphäre treffen, haben sie eine lange Reise hinter sich. Geleitet von Magnetfeldern und in Wechselwirkung mit interstellarem Gas und Plasma diffundieren sie einige Millionen Jahre durch unsere Galaxie. Daher steckt die Physik ihrer Quellen und ihres Weges auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entdeckung voller Rätsel.

Der Nachweis des extraterrestrischen Ursprungs der „Luftelektrizität“ gelang Victor Francis Hess 1912 bei seinen Ballonfahrten. In den folgenden Jahren fand eine Fülle von Experimenten in immer größeren Höhen statt, sodass sich ein detailliertes Bild der Ionisationsrate als Funktion der Höhe ergab (Abb. 1). Als Pioniere nutzten Werner Regener und sein Student Georg Pfotzer in Stuttgart Wetterballons mit Geiger-Müller-Zählrohren. Sie bestimmten in den 1930er-Jahren den Fluss kosmischer Teilchen − ihre Anzahl pro Flächen- und Zeiteinheit − als Funktion der Höhe und verglichen ihn mit der Ionisationsrate. Aufgrund der gleichen Höhenabhängigkeit folgerten sie, dass einzelne geladene Teilchen die „Luftelektrizität“ auslösen. Heute gilt Regener, den das Nazi-Regime aus seiner akademischen Position drängte, als einer der Pioniere der Geophysik. Während seine Ergebnisse kaum über die Fachwelt hinausdrangen, erregten die bemannten Stratosphärenflüge von Auguste Piccard und Max Cosyns ungeahnte öffentliche Aufmerksamkeit. Dreißigtausend Zuschauende und zahlreiche Medien verfolgten 1932 den Start ihres Ballonflugs vom Militärgelände in Dübendorf bei Zürich. Ein Bataillon der schweizerischen Armee hielt den Ballon mit seiner Aluminiumkapsel während der Befüllung am Boden. Die beiden „Eroberer der Stratosphäre“ avancierten zu Volkshelden in der Schweiz und in Belgien: Hervé hat Piccard als „Professor Bienlein“ in den Tim-und-Struppi-Comics unsterblich gemacht. (...)

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10/2021Seite 56DPG-Mitglieder

Personalien

Der literarische WissenschaftlerAlexander Pawlak9/2021Seite 30DPG-Mitglieder

Der literarische Wissenschaftler

Im Werk des polnischen Schriftstellers Stanisław Lem (1921 – 2006) treffen Literatur, Philosophie und Naturwissenschaft auf einzigartige Weise zusammen.

Wir suchen nur den Menschen. Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel. Wir wissen nicht, was wir mit anderen Welten anfangen sollen, sagt der Kybernetiker Snaut zum Psychologen Kris Kelvin in „Solaris“ von Stanisław Lem. Dieser 1961 erschienene Roman ist wohl Lems berühmtestes Werk, was drei Verfilmungen und immer neue Adaptionen für Radio, Theater und sogar Oper belegen. Die Geschichte dreht sich um die mysteriösen Ereignisse auf einer Raumstation über einem fremden Planeten, der gänzlich von einem „lebenden Ozean“ bedeckt ist. Alle Versuche, dessen Natur zu verstehen oder ihn gar zu kontaktieren, scheitern. Stattdessen werden die Menschen auf der Station von Duplikaten nahe­stehender Menschen heimgesucht, die der Ozean aus unbekannten Gründen aus deren Erinnerungen erzeugt hat. So sieht sich Kelvin mit seiner Frau Harey konfrontiert, die Selbstmord begangen hat. Doch anders als in späteren Verfilmungen sind der rätselhafte Ozean und das vergebliche, hundertjährige Bemühen, ihn zu erforschen, das zentrale Thema des Romans.

„Solaris“ enthält viele typische Elemente im Werk von Lem, der vor 100 Jahren am 12. September 1921 im damalig polnischen Lwów (heute ukrainisch Lwiw) geboren wurde: die Fremdartigkeit des Universums, komplexe Phänomene, an denen sich die irdische Wissenschaft die Zähne ausbeißt, metawissenschaftliche Diskurse und eher wenig strahlende Protagonisten. In Lems Science-Fiction-Romanen erobert die Menschheit nicht den Kosmos und trifft auch nicht auf menschenähnliche Außerirdische à la Star Trek, sondern wird wieder und wieder mit den eigenen Grenzen konfrontiert. Lem berauscht sich dabei nicht an wissenschaftlich-technischen Errungenschaften, sondern schickt seine „Helden“ mit der Zukunftstechnologie in ein fremdartiges Universum und kratzt dabei gehörig am Image des Menschen als „Krone der Schöpfung“.

Lems erste Bücher wie „Der Planet des Todes“ (1951, in der BRD: „Astronauten“) und „Gast im Weltraum“ (1955, auf Deutsch nur in der DDR) sind noch vom Zukunfts­optimismus des damaligen Kommunismus getragen. Doch spätestens mit Beginn der 1960er-Jahre wandeln sich seine Romane zu Versuchsanordnungen, in denen hauptsächlich männliche Charaktere mit einer Zukunftsgesellschaft konfrontiert sind, die ihnen fremd bleibt, oder mit einem Universum, das ihnen unauflösbare Rätsel aufgibt. (...)

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Ein rarer Bote kosmischer BeschleunigerJürgen Brunner5/2021Seite 20DPG-Mitglieder

Ein rarer Bote kosmischer Beschleuniger

Der IceCube-Detektor hat erstmals ein Neutrino nachgewiesen, das beim resonanten Glashow-Prozess entstanden sein könnte.

Eine Sonde in der FalleKonstantin Gaul und Robert Berger4/2021Seite 22DPG-Mitglieder

Eine Sonde in der Falle

Experimente mit radioaktiven Molekülionen ermöglichen es, die CP-Verletzung hochpräzise zu untersuchen.

Zerfälle als ZeugenRoland Diehl und Camilla Juul Hansen10/2020Seite 23DPG-Mitglieder

Zerfälle als Zeugen

Der Nachweis radioaktiver Elemente und Isotope erlaubt es, die Prozesse der kosmischen chemischen Entwicklung nachzuvollziehen.

Das Universum ist im ständigen Wandel: Gewaltige Energieblitze in Gamma- bis Radiostrahlung belegen diese Aktivität. Dagegen ist die Anzahl der Kernbausteine des Mikrokosmos konstant, seit sich nach dem Urknall Protonen und Neutronen gebildet haben: Sie werden weder zerstört noch neu erzeugt, sondern bilden lediglich neue Kombinationen. So hat sich seither die chemische Zusammensetzung der kosmischen Materie deutlich verändert. Radioaktive Zerfälle sind ein wichtiges Werkzeug, um diese Entwicklung und die Prozesse dahinter zu verstehen.

Nach dem heißen Urknall entstanden während der primordialen Nukleosynthese Wasserstoff und Helium sowie Spuren von Lithium. Auch heute dominieren die beiden leichtesten Elemente die Häufigkeitsverteilung. Daneben existiert aber eine Vielfalt weiterer Elemente: Kohlenstoff, Sauerstoff und Eisen – die Elemente des Lebens – sowie Gold, Platin, Blei und Uran – die seltenen Elemente unserer Hochtechnologie. Der Prozess der sogenannten kosmischen chemischen Entwicklung hat ständig die vorhandenen Nukleonen umsortiert: zu Tausenden unterschiedlichen Isotopen der 118 derzeit bekannten chemischen Elemente. Namensgeber des Prozesses ist die resultierende, sich verändernde chemische Zusammensetzung der Materie im Universum (Abb. 1).

Für das Umsortieren sind Kernreaktionen verantwortlich, beispielsweise die Kernfusion. Im Inneren von Sternen und bei Sternexplosionen reichen Dichte und Temperatur aus, damit sich die Atomkerne so nahe kommen, dass die kurzreichweitigen Kernbindungskräfte wirken können und die Nukleonen neue Verbindungen eingehen. So kann aus drei Heliumkernen Kohlenstoff entstehen: 42He + 42He + 42He → 126C. Kohlenstoff entspricht einer etwas fester gebundenen Zusammensetzung der Nukleonen, sodass die überschüssige Bindungsenergie als Strahlung frei wird. Der zugehörige Strahlungsdruck verhindert, dass der Stern unter seiner eigenen Gravitation kollabiert. Sterne, die mehr als achtmal schwerer sind als unsere Sonne, durchlaufen verschiedene Brennphasen, in denen immer komplexere Fusionsreaktionen Kernbindungsenergie freisetzen. Diese Entwicklung endet beim Isotop 56Ni mit der maximalen Bindungsenergie pro Nukleon: Weitere Fusionsreaktionen setzen keine Energie mehr frei. Die schwereren Elemente entstehen daher durch die Anlagerung von Neutronen und Betazerfälle in Prozessen, die sich durch langsame (s-Prozess für engl.: slow) oder schnelle (r-Prozess, rapid) Neutroneneinfang­reaktionen auszeichnen. Die Nukleare Astrophysik zielt darauf ab, die Vielfalt der Kernreaktionen und ihre Wirkung zu verstehen, die der Sternentwicklung und der Nukleosynthese zugrundeliegen [1]. (...)

 

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Lückenlose EntstehungsgeschichteMatthias Steinmetz9/2020Seite 26DPG-Mitglieder

Lückenlose Entstehungsgeschichte

Der Sloan Digital Sky Survey veröffentlichte kürzlich eine umfassende Analyse der bislang größten dreidimensionalen Karte des Universums.

Quarkmaterie im Kern massiver NeutronensterneJürgen Schaffner-Bielich9/2020Seite 28DPG-Mitglieder

Quarkmaterie im Kern massiver Neutronensterne

Eine modellunabhängige Studie klassifiziert die mögliche Zusammensetzung von Neutronensternen im Licht neuer astrophysikalischer Daten.

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26.06.2020 • NachrichtPanorama

Extraterrestrische Exempel

Die „Breakthrough Listen“-Initiative veröffentlicht einen Katalog von astronomischen Objekten, die sich als Ziele für die Suche nach intelligentem Leben eignen.

Vom Schicksal der SterneFriedrich-Karl Thielemann4/2020Seite 16

Vom Schicksal der Sterne

Der experimentelle Nachweis eines Übergangs beim Betazerfall von hilft dabei, die Entwicklung von Sternen mittlerer Masse genauer vorherzusagen.

Mehr Neutronen gehen nichtAchim Schwenk3/2020Seite 20

Mehr Neutronen gehen nicht

Erstmals ist es gelungen, die Grenze der Neutronenstabilität für Fluor- und Neon-Isotope nachzuweisen.

Der Stern der WeisenAlmudena Arcones3/2020Seite 31

Der Stern der Weisen

Beim Verschmelzen von Neutronensternen und bei Kernkollaps-Supernovae entstehen Elemente, die schwerer sind als Eisen.

Dass sich auf der Erde edle Metalle wie Gold, Silber oder Platin finden, verdanken wir einem komplexen Zusammenspiel: Damit diese Elemente entstehen, müssen sehr exotische Atomkerne unter extremen äußeren Bedingungen vorliegen. Solche Prozesse lassen sich nur mit aufwändigen Simulationen der zugrunde liegenden Astrophysik und Kernphysik verstehen.

Als das US National Research Council im Jahr 2003 eine Liste der großen, bisher unbeantworteten wissenschaftlichen Fragen veröffentlichte, gehörte dazu auch das Rätsel, wie die Elemente von Eisen bis Uran im Universum produziert werden [1]. Zwar ist seit Ende der 1950er-Jahre klar, dass dafür zwei Prozesse verantwortlich sind, bei denen entweder langsame (s-Prozess für engl.: slow) oder schnelle (r-Prozess, rapid) Neutroneneinfangreaktionen stattfinden. Doch insbesondere das Verständnis des r-Prozesses stellt für Astrophysik und Kernphysik nach wie vor eine große Herausforderung dar.

Die Häufigkeitsverteilung der Elemente in unserem Sonnensystem lässt sich durch Spektroskopie der Sonnenphotosphäre bestimmen. Zusammen mit den Verteilungen in Meteoriten ergibt sich ein genaues Bild der chemischen Zusammensetzung jeder Gaswolke, aus der sich die Sonne und ihr Planetensystem gebildet haben. Diese Signatur entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener Nukleo­syntheseprozesse (Abb. 1). Wasserstoff und Helium treten mit Abstand am häufigsten auf. Die beiden leichtesten Elemente entstehen bereits direkt nach dem Urknall und sind die Basis für die Synthese aller weiteren Elemente. Als im noch jungen Universum riesige Gaswolken unter ihrer eigenen Schwerkraft zu den ersten Sternen kollabierten, verdichtete sich die Materie in ihrem Inneren so sehr, dass Fusionsprozesse einsetzten. Bei diesem nuklearen Brennen entsteht zunächst Helium aus Wasserstoff. Die dabei frei werdende Energie stabilisiert den Stern gegen den Druck der Schwerkraft [2]. Im Fall massereicher Sterne, die mindestens achtmal so schwer sind wie unsere Sonne, zünden im Zentrum des Sterns nach und nach weitere Brennphasen, bis ein Eisenkern entstanden ist. Darin finden sich Isotope der Elemente um Eisen mit Massenzahlen A zwischen 50 und 65. Sie besitzen die höchste Kernbindungsenergie pro Nukleon, sodass eine weitere Fusion als endotherme Reaktion dem Stern Energie entziehen würde. Darüber hinaus sind diese Reaktionen sehr unwahrscheinlich, weil aufgrund der steigenden Ladungszahl der Isotope eine immer größere abstoßende Coulomb-Kraft zu überwinden ist. (...)

 

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Matthias Delbrück2/2020Seite 13

Jenseits von Super

Der Neutrinomasse direkt auf der SpurWerner Rodejohann1/2020Seite 26

Der Neutrinomasse direkt auf der Spur

Das KATRIN-Experiment verbesserte die Obergrenze der Neutrinomasse um einen Faktor 2.

Patrizia Krok und Tilo Steinmetz12/2019Seite 70

Die Vermessung des Weltraums

Spurensuche im AllEwald Puchwein und Mark Vogelsberger11/2019Seite 37

Spurensuche im All

Astronomische Beobachtungen führten zum Konzept der Dunklen Materie und geben heute Hinweise auf deren Eigenschaften.

Die Struktur und Dynamik von Galaxien und Galaxienhaufen lässt sich im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie nur erklären, wenn es neben der sichtbaren auch eine unsichtbare Materie gibt, die eine zusätzliche Gravitationsanziehung ausübt. Diese Dunkle Materie muss aus anderen Teilchen als gewöhnliche Materie bestehen. Astronomische Beobachtungen erlauben es, deren Eigenschaften zu ergründen.

Schon die ersten Hinweise, dass es eine Dunkle Materie geben muss, stammen aus astronomischen Beobachtungen. Fritz Zwicky bestimmte in den 1930er-Jahren überraschend hohe Geschwindigkeiten für Galaxien in Galaxienhaufen. Diese Werte lassen sich in gravitativ gebundenen Objekten nur erklären, wenn über die sichtbare Materie hinaus eine gravitative Anziehung vorliegt, welche die Galaxienhaufen zusammenhält. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Rotationsgeschwindigkeiten von Spiralgalaxien, die im Außenbereich schneller rotieren als erwartet. Das deutet ebenfalls auf eine zusätzliche unsichtbare Materie hin. Auch die Häufigkeit leichter Elemente im Universum passt nur dann mit den Vorhersagen des Urknallmodells zusammen, wenn die benötigte zusätzliche Masse nicht in Form gewöhnlicher Materieteilchen, beispielsweise Protonen, Neutronen und Elektronen, vorliegt. Gäbe es mehr gewöhnliche Materie im Universum, hätte sich eine andere Elementverteilung herausgebildet, unter anderem mit mehr Helium und weniger Deuterium. In unserem Universum sollte es demnach Teilchen einer Dunklen Materie geben. (...)

 

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Matthias Delbrück10/2019Seite 13

USA

Ein Exot mit GeheimnissenChristoph Langer7/2019Seite 20

Ein Exot mit Geheimnissen

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17.04.2019 • NachrichtPanorama

Unter einem Himmel

Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat in Brüssel ihren 100. Geburtstag gefeiert. Neben einer Ausstellung begleiten zahlreiche Veranstaltungen das Jubiläum.

Die Hubble-KontroverseMatthias Steinmetz5/2019Seite 16

Die Hubble-Kontroverse

Weisen neue Diskrepanzen bei der Hubble-Konstante auf systematische Fehler oder neue Physik?

Ein stellares Plasma auf ErdenMichael C. F. Wiescher und Dieter H. G. Schneider4/2019Seite 29

Ein stellares Plasma auf Erden

An der National Ignition Facility lassen sich Plasmen erzeugen, welche die Bedingungen im Inneren von Sternen reproduzieren – aber nur für Sekundenbruchteile.

Durch Fusions­reaktionen in Sternen entstehen neue Elemente. Um die Mechanismen dahinter zu verstehen, müssen die Reaktionsraten genau bekannt sein. Allerdings erweist es sich als äußerst aufwändig, die Bedingungen eines stellaren Plasmas im Labor zu reproduzieren. Darüber hinaus stellt die Analyse der messbaren Daten eine enorme Herausforderung dar.

Als Energiequelle von Sternen spielen kernphysikalische Reaktionen und Zerfälle instabiler Isotope eine wichtige Rolle. Sie sind der Motor der Sternentwicklung. Kernreaktionen setzten die Energie frei, um den Stern gegen die Gravitationskräfte zu stabilisieren, die aus seiner gewaltigen Masse resultieren und sonst seinen Kollaps zur Folge hätten. Je schwerer ein Stern ist, desto mehr Energie muss er produzieren: In seinem Inneren herrschen höhere Temperaturen, bei denen die Fusionsprozesse schneller ablaufen können. Deswegen haben schwere Sterne eine kürzere Lebensdauer als leichtere. Die Sternentwicklung läuft in mehreren Phasen ab, die durch unterschiedliche Fusionsbrennstoffe geprägt sind. Während der ersten Phase des Wasserstoffbrennens wandelt sich Wasserstoff über verschiedene Reaktionssequenzen zu Helium um – in dieser Phase befindet sich unsere Sonne gerade.


Ist der Wasserstoff verbraucht, kontrahiert der Stern, Temperatur und Dichte im Inneren steigen an, bis Fusions- und Kernreaktionen mit Helium möglich sind. Die dann freigesetzte Energie stabilisiert den Stern erneut. Allerdings bläht sich dabei die Sternhülle auf, sodass ein Roter Riese entsteht. Ein bekanntes Beispiel ist Betelgeuse (α Orionis). Auf das Heliumbrennen folgt das Kohlenstoffbrennen und um den stellaren Kern bilden sich Hüllen, in denen das dort vorhandene Helium und weiter außen der Wasserstoff fusionieren. Diese Entwicklung setzt sich fort bis zum Aufbau von Eisen im Sterninneren. Hier ist die Bindungsenergie der Kerne am größten, sodass weitere Kernreaktionen Ener­gie benötigen anstatt diese freizusetzen. Deshalb wird der Stern instabil und bricht in sich zusammen, woraus sich eine Supernova entwickelt. (...)

 

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Kerstin Sonnabend2/2019Seite 6

Ein elementarer Geburtstag

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12.10.2018 • NachrichtForschung

Blitze aus dem Gamma-Universum

Das erste Teleskop des zukünftigen Cherenkov Telescope Arrays wurde auf La Palma eingeweiht. Ab 2025 wollen Astronomen mit fast 120 Teleskopen das Universum bei höchsten Energien beobachten.

Ein aufregendes Neutrino?Matthias Bartelmann9/2018Seite 24

Ein aufregendes Neutrino?

Der IceCube-Detektor hat ein kosmisches Neutrino registriert. Aus der gleichen Richtung wurde auch Gammastrahlung detektiert. Stammen beide aus der gleichen Quelle?

6/2018Seite 17

DFG: Neue Graduiertenkollegs

6/2018Seite 17

JUWELS folgt JUQUEEN

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